In diesen Tagen läuft im polnischen Fernsehen ein kurzer Film, der zeigt, wie sich das Land in den vergangenen 20 Jahren verändert hat: Szenen sieht man, von einem Markt in Warschau Anfang der neunziger, wo Menschen nach scheinbar alltäglichen Dingen suchen, die in Polen damals noch Mangelware waren. Dann wieder sieht man neugebaute Autobahnen, Stadien und renovierte Städte: Polen heute.  

Fast zwei Millionen Euro kostet die Kampagne der Regierung. "10 Lichtjahre – 10 Jahre in der Europäischen Union" lautet ihr Titel. Doch auch wenn das nach reichlich viel Propaganda klingt: Keiner in Polen, selbst die Opposition nicht, bestreitet, dass die vergangene Dekade einen wirtschaftlichen Aufschwung gebracht hat und dass es Polen heute wesentlich besser geht als vor 2004.

Diese Erfolgsgeschichte war nicht vorhersehbar. Denn Polen galt damals als der am schlechtesten vorbereitete Kandidat unter den zehn Ländern, die 2004 der EU beitraten.  Die von Brüssel im Vorfeld geforderten Reformen waren nur teilweise umgesetzt worden. Es wimmelte von Korruptionsskandalen, in die sämtliche wichtige Parteifunktionäre der damals regierenden sozialdemokratischen Partei SLD verwickelt waren. Nur einen Tag nach der pompösen Feier zur EU-Erweiterung, am 2.Mai 2004, musste der damalige Premierminister Leszek Miller zurücktreten.  

Große Ängste

Dass Polen überhaupt der EU beitreten durfte, hatte denn auch weniger wirtschaftliche als vor allem politische Gründe. Westliche Politiker wollten den größten der osteuropäischen Beitrittskandidaten, ein Land mit fast 40 Millionen Einwohnern, nicht außen vor lassen. Ohne Polen habe die EU-Erweiterung keinen politischen Sinn, meinten viele.

Dabei gab es in Polen durchaus große Ängste vor dem neuen Bündnis. Konservative Politiker verbreiteten, nach der Aufnahme Polens würden westliche Investoren sämtliche Branchen der Wirtschaft dominieren, das Land "aufkaufen" und letztendlich in die Pleite führen.

Angst vor dem Westen hatten aber auch viele Landwirte. Sie bangten darum, ob ihre Produkte nach  der Erweiterung der Konkurrenz mit den westlichen standhalten würden.  

Am zufriedensten sind die Bauern

Im Westen wiederum, und zwar vor allem in Deutschland, fürchtete man, dass polnische Armutszuwanderer den Arbeitsmarkt überfluten würden. Diese Angst war auch sieben Jahre später noch zu spüren, als endlich die volle Freizügigkeit für polnische Arbeitnehmer eingeführt wurde.

Keines der Schreckensszenarien wurde wahr. Laut einer Umfrage des polnischen staatlichen Instituts CBOS meinen heute über 60 Prozent der Polen, dass der Beitritt in die EU  von großem Vorteil für das Land war. Bei den Landwirten ist die Zufriedenheit am größten, schließlich haben sie von den Zuschüssen der EU auch am meisten profitiert. Drei Viertel von ihnen sprechen positiv über die EU.

Wirtschaftlich war der EU-Beitritt auf jeden Fall ein Erfolg: In den vergangenen zehn Jahren wuchs die polnische Wirtschaft (bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt) um 49 Prozent. Die Arbeitslosigkeit, einst bei 20 Prozent , hat sich halbiert. Nur wenige Jahre nach der EU-Erweiterung zeigte sich zudem, dass gut ausgebildete junge Polen auch im eigenen Land ein erfolgreiches Leben führen können.