Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat mit einer Opfergabe im umstrittenen Yasukuni-Schrein Empörung in den Nachbarländern ausgelöst. Abe sandte am Montag ein religiöses Ornament mit seinem Namen und seiner Amtsbezeichnung an den Schrein in Tokyo.   

Im Yasukuni-Schrein werden zusammen mit japanischen Kriegstoten auch verurteilte Kriegsverbrecher aus dem Zweiten Weltkrieg geehrt. Deshalb lösen Besuche von japanischen Regierungsmitgliedern immer wieder Empörung in China, Südkorea und Taiwan aus, weil sie als Glorifizierung der japanischen Aggression empfunden werden. 

Die Regierung Südkoreas bezeichnete die Opfergabe als "anachronistischen Akt, der die freundschaftlichen Bande zwischen Nachbarstaaten und die Stabilität in der Region" behindere, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums teilte mit, die Opfergabe reflektiere Abes "fehlerhafte Haltung". Chinesische Medien bezeichneten Abes Verhalten als unverantwortlich. Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua nannte den Vorgang eine Provokation.

Abes Büro lehnte eine Stellungnahme mit dem Hinweis ab, dass der Premier als Privatperson gehandelt habe. Im Dezember hatte Abe den Schrein persönlich besucht. Sein Staatsminister Keiji Furuya und der japanische Innenminister Yoshitaka Shindo hatten dort kürzlich Opfergaben dargebracht.

Die Beziehungen zwischen China und Japan sind ohnehin gespannt. Am Samstag ordnete ein Gericht in Shanghai im Streit um die Entschädigung von Zwangsarbeitern im Zweiten Weltkrieg die Beschlagnahmung eines Erzfrachters des japanischen Unternehmens Mitsui OSK Lines an. Zudem streiten China und Japan um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer.