Gedenken an die Toten des Maidan, die zwischen dem 18. und 20. Februar in Kiew von Scharfschützen erschossen wurden. © Bulent Kilic/AFP/Getty Images

Die neue ukrainische Übergangsführung macht ihre abgesetzten Vorgänger und Russlands Geheimdienst verantwortlich für die tödlichen Schüsse auf Demonstranten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Sie seien vom inzwischen entmachteten prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch angeordnet worden, heißt es in einem vorgelegten Zwischenbericht zu den Ereignissen auf dem Unabhängigkeitsplatz Maidan vom 18. bis zum 20. Februar.

Interimsinnenminister Arsen Awakow sagte: "Janukowitsch hat den kriminellen Befehl erteilt." Agenten des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB hätten geholfen "bei der Planung und Umsetzung der sogenannten Anti-Terror-Operation". Dies wurde von der Regierung in Moskau umgehend dementiert, wenn auch nur indirekt: "Mögen diese Anschuldigungen auf dem Gewissen des Ukrainischen Sicherheitsdienstes lasten", sagte ein FSB-Sprecher laut der Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

Weiter werfen die Behörden der früheren Regierung Janukowitsch staatlich finanzierten Terror gegen die damalige Opposition vor. Ein Netzwerk aus Auftragsmördern, Entführern und Schlägerbanden habe die Protestbewegung im Land attackiert und untergraben.

Zwölf Verdächtige wegen Maidan-Schüssen festgenommen

Auf der Suche nach den Verantwortlichen für die Schüsse auf Demonstranten gab es am heutigen Donnerstag die ersten Festnahmen. Generalstaatsanwalt Oleg Machnizki sagte, zwölf Mitglieder einer Eliteeinheit der Polizei seien unter dem Verdacht verhaftet worden, in die Schießereien verwickelt gewesen zu sein. Dabei waren mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen.

Kiew - Die Ukraine ist längst nicht so zerrissen wie angenommen Noch immer versammeln sich auf dem Maidan unzählige Menschen, um zu protestieren, aber auch, um zu trauern. ZEIT-Redakteurin Alice Bota über ein gespaltenes Land zwischen Tradition und Aufbruch

Die Festgenommenen hätten der sogenannten Schwarzen Einheit angehört, einer Spezialgruppe der mittlerweile aufgelösten Sonderpolizei Berkut. Die Verdächtigen hätten in Vernehmungen ausgesagt, sie hätten nur Waffen an Berkut-Mitglieder verteilt, damit sich diese gegen Angriffe von Demonstranten wehren könnten, teilte die Staatsanwaltschaft mit. "Aber wir glauben ihnen nicht."

Fragen bleiben noch viele offen: So hatte Estlands Außenminister Urmas Paet in einem publik gewordenen Telefonat mit EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton den Verdacht geäußert, radikale Oppositionskräfte könnten in die Todesschüsse verwickelt gewesen sein, um die Proteste weiter anzuheizen. Der Europarat forderte eine neutrale Aufklärung. Russland beschuldigte seinerseits ultranationalistische Kräfte, das Feuer auf Polizisten eröffnet zu haben, um eine Eskalation und damit Janukowitschs Abgang zu provozieren.