Ein prorussischer Aktivist in Slaviansk © Gleb Garanich/Reuters

In mehreren Städten der Ostukraine hat es am Samstag Kämpfe zwischen prorussischen Aktivisten und ukrainischen Sicherheitskräften gegeben. Wie Innenminister Arsen Awakow mitteilte, fanden die Kämpfe vor allem in den Städten Kramatorsk und Krasnyi Lyman statt. In den beiden Städten hätten prorussische Bewaffnete Polizeiposten angegriffen. In Krasny Liman seien Sicherheitskräfte mit Kalaschnikow-Sturmgewehren beschossen worden. Berichte über Verletzte gibt es bisher nicht.

Auf Facebook sprach Awakow von einer "Aggression der Russischen Föderation". Übergangspräsident Olexander Turtschinow rief für den Abend den Nationalen Sicherheitsrat zu einer Krisensitzung  zusammen.

Zuvor hatten prorussische Aktivisten im Osten der Ukraine Einrichtungen der Polizei gestürmt. In der Großstadt Donezk besetzten etwa 200 uniformierte Männer das örtliche Polizeihauptquartier. Der Polizeichef trat auf ihren Druck hin zurück.

Nur wenige Stunden zuvor brachten bewaffnete Angreifer die Polizeizentrale und die Zentrale des Geheimdienstes in der rund 90 Kilometer entfernten Kleinstadt Slawjansk unter ihre Kontrolle. Vor den besetzten Gebäuden und rund um die Stadt errichteten sie Barrikaden. Autoreifen und Sandsäcken seien auf Zufahrtsstraßen aus Donezk und Luhansk aufgetürmt worden, berichteten Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters. Mit Automatikgewehren bewaffnete maskierte Männer, die eine Mischung aus Zivilkleidung und Kampfanzügen trugen, überprüften Fahrzeuge. An einem der Kontrollposten wehte eine russische Fahne, an einem anderen die schwarz-blau-rote Flagge der Separatisten.

Im Raum Poltawa stoppte die Polizei zehn Busse mit Demonstranten, die in die Stadt Charkiw unterwegs waren. Bei einer Durchsuchung seien Messer, Knüppel und Molotow-Cocktails gefunden worden, hieß es. Etwa 70 Aktivisten seien festgenommen worden. 

Die prorussischen Demonstranten im Osten der Ukraine fordern ein Referendum über eine Unabhängigkeit der Region. Im März hatten sich die Bewohner der Krim in einem Referendum dafür ausgesprochen, dass die ukrainische Halbinsel russisches Staatsgebiet wird.