Steht der Kreml hinter der Eskalation in der Ostukraine? Handeln die Separatisten in Donezk, Luhansk, Slowjansk und anderen Städten unter Führung russischer Agenten oder Militärs? Das behauptet die Interimsregierung in Kiew. Sie will am Donnerstag beim Ukraine-Krisengipfel in Genf Beweise vorlegen. Auch Fotos aus den besetzten Städten zeigen, dass Separatisten Uniformen und Waffen tragen, wie sie von russischen Spezialeinheiten und der Armee benutzt werden (Fotos siehe hier).

Unter anderem erklärte der Chef des Nationalen Sicherheitsrates, Andrij Parubij, es sei gelungen, mehrere Agenten der russischen Geheimdienste GRU (Militär) und FSB (Inland) in der Ukraine festzunehmen. Details nannte er nicht.

Auch westliche Regierungen gehen von einer direkten russischen Beteiligung aus. Moskau bestreitet das vehement. Außenminister Sergei Lawrow beteuerte wiederholt: "Wir mischen uns nicht in die inneren Angelegenheiten der Ukraine ein. Es gibt dort keine russischen Agenten." Präsident Wladimir Putin sprach gegenüber US-Präsident Barack Obama von "Spekulationen, die auf ungenauen Informationen beruhen".

Die "grünen Männchen" von der Krim

Regierungstreue Medien in Kiew sprechen mit Blick auf die teils schwer bewaffneten Separatisten in der Ostukraine gern von "grünen Männchen". Damit spielen sie nicht auf Außerirdische an, sondern ziehen Parallelen zu jenen paramilitärischen Kräften, die Anfang März die Kontrolle auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim übernahmen. Gemeint ist vor allem die erstaunlich einheitliche grüne Tarnkleidung der Kämpfer, wie sie üblicherweise russische Soldaten tragen.

Selbstverständlich gibt es derartige Camouflage nicht nur bei der russischen Armee. Auf der Krim stellte sich allerdings schnell heraus, dass es sich bei einem Großteil der "grünen Männchen" um russische Soldaten handelte, die an den Uniformen die regulären Abzeichen entfernt hatten. Auch damals hatte die Führung in Moskau bis zum Schluss behauptet, mit den Paramilitärs nichts zu tun zu haben – und somit gelogen.

Indiziensuche auch bei Bewaffnung

Einen Hinweis auf russische Unterstützung gibt zudem die Bewaffnung der Separatisten in der Ostukraine. Die Kämpfer sind meist mit modernen Maschinenpistolen und Sturmgewehren vom Typ Kalaschnikow ausgerüstet, die ebenfalls in der russischen Armee besonders verbreitet sind. Vor allem die kurzen Sturmgewehre der Serie AK-100, die viele Besetzer mit sich führen, sind außerhalb des russischen Militärs selten. Das Außenministerium in Kiew teilte mit, ukrainische Sicherheitskräfte verfügten über diesen Waffentyp überhaupt nicht.

Die kremltreue russische Nachrichtenagentur Ria Novosti berichtete dagegen schon im März von einer massenhaften Aufrüstung des ukrainischen Volkes mit Handfeuerwaffen. So seien während des Maidan-Aufstandes im Februar im westukrainischen Gebiet Lwiw "mehr als 5.000 Kalaschnikow-Maschinenpistolen, 123 Maschinengewehre, 2741 Makarow-Pistolen, zwölf Flammenwerfer und mehr als 1.500 Handgranaten aus Waffenlagern entwendet worden".

Unstrittig ist: In Luhansk plünderten die prorussischen Besetzer der Geheimdienstzentrale ein Waffenlager und beschafften sich auf diese Weise ihre Ausrüstung. Das wiederum weist darauf hin, dass die Separatisten militärisch oder geheimdienstlich geschult sein müssen. Dafür spricht auch das koordinierte Vorgehen der Gebäudebesetzer, die sogar in der Lage sind, in verminte Waffendepots einzudringen.