Die UN beklagen die Missachtung von Menschenrechten während des Referendums auf der Halbinsel Krim. Es gebe "glaubwürdige Berichte über Schikanen, willkürliche Festnahmen, Folter von Aktivisten und Journalisten, die das Referendum nicht unterstützen", heißt es in einem Berichtsentwurf des Generalsekretär-Assistenten für Menschenrechte der UN, Ivan Šimonović.

Einige Aktivisten seien in der Zeit vor der Abstimmung im April in ein Militärgelände namens Military Drafting-Center in Simferopol verschleppt worden. Später kamen sie wieder frei, trugen aber Spuren von "Misshandlung oder Folter". Der von Uniformierten entführte Krimtatar Reshat Ametov sei am Tag der Volksabstimmung gefunden worden, "mit offensichtlichen Folterspuren, mit Handschellen gefesselt und mit Klebeband über dem Mund".

Nach der Absetzung des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch hatte Russland die Krim schleichend annektiert – Militär in ungekennzeichneten Uniformen besetzte die Halbinsel. Russlandtreue übernahmen im Parlament die Macht. Eine eilig angesetzte Volksabstimmung ergab eine Mehrheit für den Anschluss an Russland. Ukrainer und Krimtataren hatten das international nicht anerkannte Referendum jedoch boykottiert.

Die UN kritisieren, dass die "Selbstverteidigungskräfte" genannten militärischen Einheiten unklarer Herkunft zu einer Atmosphäre beigetragen haben, die eine freie Meinungsäußerung nicht ermöglicht hätten. Besonders für die Minderheit der Krimtataren sei ein "Klima der Unsicherheit" entstanden, als Pläne zu ihrer Umsiedlung bekannt wurden – da sie angeblich illegal Land besetzt hätten.

Für die von Russland beklagten Angriffe auf die ethnischen Russen auf der Krim hätten sich dagegen keine Anhaltspunkte gefunden, heißt es in dem 38-seitigen Berichtsentwurf. Russische Sender hätten mit "stark übertriebenen Berichten" desinformiert und den Anschein erweckt, ukrainische Extremisten bedrohten die Russen auf der Krim. Solche Praktiken seien "systematisch genutzt worden, um ein Klima der Angst und Unsicherheit zu schüren".

Šimonović geht aber auch mit der Gegenseite ins Gericht: Auch die russischen Vorwürfe, ukrainische Extremisten hätten die Stabilität des Landes gefährdet, träfen zu. Die ukrainischen Sicherheitskräfte hätten dazu beigetragen, indem sie Razzien gegen proeuropäische Demonstranten machten, ebenso Radikale unter den Kiewer Demonstranten, die den Nationalismus geschürt hätten.  

Das Aufeinandertreffen prorussicher Kräfte und nationalistischer Hardliner in der Ukraine habe einen gefährlichen Graben zwischen ukrainischen und russischen Führern geschaffen. Die Lage habe sich auf diese Weise zwischen Kiew und der Krim stark radikalisiert, heißt es in dem Report.