Der selbsternannte Bürgermeister von Slawjansk, der mehrere OSZE-Beobachter gefangen hält. © Gleb Garanich/Reuters

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat die sofortige Freilassung ihrer im Osten der Ukraine verschleppten Militärbeobachter gefordert. Die Festsetzung sei "inakzeptabel", kritisierte OSZE-Chef Didier Burkhalter in der Nacht in einer Erklärung. Die Sicherheit der internationalen Beobachter im Land müsse garantiert werden.

Die OSZE verhandle weiter "auf allen Ebenen" und mittels ranghoher politischer Kontakte über eine Freilassung der am Freitag verschleppten Gruppe. Deren Gefangenschaft widerspreche dem Geist des Genfer Abkommens, das Mitte April zwischen Russland, der Ukraine, der EU und den USA geschlossen worden war, um den Konflikt zu entschärfen.

Prorussische Separatisten halten weiter mehrere OSZE-Beobachter gefangen, darunter sind auch vier Deutsche. Nach Einschätzung des ukrainischen Präsidentschaftskandidaten Petro Poroschenko ist das Leben der Geiseln gefährdet. "Es ist eine hochgefährliche Situation für die deutschen Geiseln", sagte Poroschenko der Bild-Zeitung. Der selbst ernannte Bürgermeister von Slowjansk sei ein "Terrorist". Er habe Ukrainer foltern lassen und andere Politiker getötet. "Er ist völlig durchgedreht und bereit, seine Waffen auch auf Ausländer zu richten", warnte Poroschenko.

"Zurschaustellung" der Gefangenen

Am Wochenende waren die Militärinspekteure bei einer Pressekonferenz regelrecht vorgeführt worden. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilte die "Zurschaustellung" der Gefangenen als "abstoßend". Ein OSZE-Beobachter, ein Schwede, wurde inzwischen aus medizinischen Gründen freigelassen. Die OSZE bezeichnete dies als positiven Schritt.

Der Westen fordert die Freilassung der Beobachter und droht Russland mit weiteren Sanktionen. Darüber wollen heute die Botschafter der 28 EU-Staaten in Brüssel beraten. EU-Vertretern zufolge geht es um die Verhängung von Strafmaßnamen der "Stufe zwei", darunter Konto- und Visasperren gegen führende russische Regierungsvertreter. Die Gruppe der sieben führenden Industriestaaten (G7) hatte wegen der Rolle Russlands im Ukraine-Konflikt angekündigt, "zügig" weitere Sanktionen gegen Moskau zu verhängen.