Ein prorussischer Aktivist nahe der Stadt Slowjansk im Osten der Ukraine © Vasily Maximov/AFP/Getty Images

Der Ukraine-Konflikt lässt in Deutschland die Angst von einem neuen kalten Krieg hochkommen: Nach einer Umfrage der ARD fürchten 72 Prozent der Befragten eine Eskalation der Situation.

Viele der Befragten sehen das deutsch-russische Verhältnis zudem kritisch. Nur 14 Prozent der Befragten halten Russland für einen vertrauenswürdigen Partner. Dies ist laut ARD der niedrigste Wert, der im Deutschlandtrend je gemessen wurde. Acht Prozent forderten, dass alle politischen Beziehungen zu Russland abgebrochen werden müssen.

Die Frage, ob weitere Strafmaßnahmen gegen Russland verhängt werden sollten, spaltet die Befragten. 51 Prozent hielten Einreiseverbote für richtig, 41 Prozent lehnen diese ab. Wirtschaftssanktionen befürworten 50 Prozent. Das sind 12 Prozentpunkte mehr als im März. 43 Prozent sprachen sich gegen diese aus. Dass Deutschland fest an der Seite der westlichen Bündnispartner stehen solle, befürworteten 60 Prozent.

Militärische Hilfe für die Ukraine lehnt die Mehrheit der Befragten ab. 75 Prozent sprechen sich dagegen aus, 18 Prozent halten eine militärische Unterstützung des Landes für angemessen.  Befragt wurden mehr als 1.000 Bürger am 28. und 29. April.

IWF genehmigt Kredit in Höhe von 17 Milliarden Dollar

Inmitten der Krise bekommt die Ukraine ein ermutigendes Signal aus Washington. Der Internationale Währungsfonds (IWF) stimmte für Kredithilfen in Höhe von 17 Milliarden Dollar (rund 12,3 Milliarden Euro). Das Hilfsprogramm für die Ukraine soll auf zwei Jahre ausgelegt sein.

US-Finanzminister Jacob Lew lobte den Beschluss als "wichtigen Meilenstein" für das Land. IWF-Direktorin Christine Lagarde sprach von "dringendem Handlungsbedarf" bei der Bewältigung der finanziellen Krise der Ukraine.

Im Gegenzug muss sich die Übergangsregierung in Kiew zu strikten Reformen verpflichten. Zum Maßnahmenkatalog gehörten Steuererhöhungen, das Einfrieren des Mindestlohns sowie eine Anhebung der Energiepreise. Die Wirtschaftsreformen treffen die Menschen aus Sicht von Beobachtern jedoch hart. Bei der von jahrzehntelanger Stagnation, Korruption und Misswirtschaft geplagten Bevölkerung könnte die Übergangsregierung ihren Rückhalt zu verlieren.

IWF-Direktorin Lagarde räumte deshalb auch Risiken ein, die der Kredit für die Ukraine mit sich bringe. Doch habe das Land in den vergangenen Wochen gezeigt, dass es Reformen umsetzen könne. "Wir glauben, dass die Ukraine die Möglichkeit hat, den Moment zu nutzen", fügte sie hinzu.

Im Zuge der jüngsten IWF-Kreditzusage kann die Ukraine mit weiteren Hilfen im Umfang von 15 Milliarden Dollar rechnen, die die Weltbank, die EU, Kanada und Japan in Aussicht gestellt haben. Dazu kommen Darlehensgarantien in Höhe von einer Milliarde Dollar, die der Kongress vor Kurzem absegnete. Gemäß der Einigung muss Kiew allerdings einen Teil des milliardenschweren Kreditpakets in die Begleichung bereits bestehender Schulden beim IWF stecken.