Nach Informationen des Spiegel soll Großbritanniens Premierminister David Cameron mit einem EU-Austritt seines Landes gedroht haben, falls Jean-Claude Juncker neuer Chef der EU-Kommission werden sollte. Cameron habe beim EU-Gipfel am vergangenen Dienstag Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der Warnung unter Druck gesetzt, er könne bei einem Votum für Juncker den Verbleib Großbritanniens in der EU nicht länger garantieren. 

Würde Juncker, der seit drei Jahrzehnten die Brüsseler Politik prägt, den Posten als Kommissionspräsident einnehmen, sende die EU ein falsches Signal. "Ein Gesicht der achtziger Jahre kann nicht die Probleme der nächsten fünf Jahre lösen", soll Cameron über den Luxemburger gesagt haben.

Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen befürchte Cameron eine Destabilisierung seiner konservativ-liberalen Regierung. Als Konsequenz müsste möglicherweise ein Austrittsreferendum vorgezogen werden, das mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem Nein der Briten zur EU-Mitgliedschaft führen werde.  

Konservative Parteifreunde, aber auch die rechtspopulistische und europakritische Partei Ukip, die bei der Europawahl mehr als ein Viertel der Wählerstimmen gewonnen hatte, setzen Cameron immer wieder unter Druck. Die Kritiker verlangen, das für Herbst 2017 angekündigte Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union vorzuziehen.