Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich für den Europawahl-Sieger Jean-Claude Juncker als neuen EU-Kommissionspräsidenten ausgesprochen. "Deshalb führe ich jetzt alle Gespräche genau in diesem Geiste, dass Jean-Claude Juncker auch Präsident der Europäischen Kommission werden sollte", sagte die CDU-Politikerin auf dem Katholikentag in Regensburg.

Bisher hatte Merkel nach der Europawahl vom 25. Mai eine ausdrückliche Festlegung auf den luxemburgischen Christsozialen vermieden. Die Regierungschefin und CDU-Vorsitzende nahm in Regensburg an einer Diskussionsrunde "Hat die Welt noch einen Platz für Europa?" teil.

Dass sich Merkel bisher nicht klar für Juncker ausgesprochen hatte, war beim Koalitionspartner SPD, aber auch in ihren eigenen Reihen auf Kritik gestoßen. Die Kanzlerin wurde vor Wählerbetrug gewarnt, weil im Wahlkampf betont worden war, dass einer der beiden europaweiten Spitzenkandidaten – Juncker oder der Sozialdemokrat Martin Schulz – auch Kommissionspräsident werde.

Das EU-Parlament hatte sich am Dienstag bereits mit großer Mehrheit für Juncker ausgesprochen. Die Europäische Volkspartei (EVP) erzielte bei der Europawahl das beste Ergebnis und stellt mit 213 von 751 Sitzen wieder die stärkste Fraktion.

Die Regierungschefs aus Großbritannien, Ungarn, Schweden und den Niederlanden hatten aber Bedenken gegen eine schnelle Festlegung auf Juncker. Die 28 Staatenlenker setzten den Ratsvorsitzenden Herman Van Rompuy als Vermittler ein, um mit dem Europaparlament und den Hauptstädten über die Top-Personalie zu verhandeln. 

Die SPD begrüßte die Festlegung der Kanzlerin auf Juncker. "Gut, dass der öffentliche Druck Merkel zur Kurskorrektur gezwungen hat", sagte Generalsekretärin Yasmin Fahimi. "Alles andere wäre auch Wählertäuschung gewesen." Der Koalitionspartner SPD hatte Merkel zuletzt mit deutlichen Worten ermahnt, dass nur jemand Chef der neuen EU-Kommission werden könne, der auch als Spitzenkandidat bei der Europawahl angetreten sei.