In Deutschland ist er der Beelzebub, für manche nach links tendierenden Amerikaner auch. Aber George W. Bush war auch der 43. Präsident der USA, und das Amt gebietet Ehrfurcht. Als er den Saal betrat, standen alle Gäste auf und klatschten – und dies im Herzen von Silicon Valley, das stets solide für die Demokraten stimmt.

Als er nach dem Essen abging, haben sie noch lauter applaudiert. Der Mann war witzig, selbstironisch, schlagfertig und trotzdem nachdenklich und überraschend offenherzig. Warum? "Es fühlt sich toll an, hier in Stanford zu sein, aber diesmal ohne 5.000 Demonstranten."

Bush hat lange gebraucht, um sich wieder in der Öffentlichkeit zu zeigen. Sechs Jahre nach dem Abgang aus dem Weißen Haus scheint er nicht nur die Qual des Amtes, sondern auch die Last der Dauerkritik abgeschüttelt zu haben. Als er in diesem Jahr in den Medien auftrat, wurde er ganz unpolitisch als Maler gefeiert.

Seine Porträts lieferten denn auch das erste Gesprächsthema. Erst die Selbstironie: "Ich glaube, der Namenszug ist mehr wert als die Bilder." Dann eine Eloge an Angela Merkel: "Ich habe sie als starke Frau gezeichnet. Als mein Lehrer mich fragte, warum ich ihr so schwere Augen gegeben hatte, habe ich die Tränensäcke sofort weggemacht."

Putin kam nicht so gut weg. "Ich habe ihm kalte, misstrauische Augen gegeben." Bush hatte Putin insgesamt 26 Mal getroffen, und der hätte sich im Laufe der Jahre verändert. "Am Anfang traf ich auf einen nachdenklichen Mann." Dann aber hätte ein altes Gesetz der Politik gegriffen: Reichtum und Macht korrumpieren.

Und die Ukraine? Die knappe Antwort: "Er will die Macht nicht teilen." Damit meinte er wohl, dass Putin nicht so sehr aus Besitzstandgründen nach der Ukraine gegriffen habe, sondern weil er das Überspringen des demokratischen Funkens fürchte. Sozusagen: erst der Maidan, dann der Rote Platz in Moskau.

Die Kritik an Obama kam auf sehr sanften Pfoten daher: "Wir werden wieder isolationistisch, was mich sehr besorgt." Amerika sei noch immer eine "unverzichtbare" Macht. Den Irakkrieg sprach er nicht direkt an, verteidigte aber mit milden Wortes seine "Freiheitsagenda". Mit Blick auf den Terrorangriff am 11. September 2001 sagte er in etwa: "Demokratien züchten keine Terroristen heran."

Er hätte auch Mubarak ständig bedrängt, Ägypten zu demokratisieren. Der aber hätte argumentiert, dass freie Wahlen die Muslimbrüder an die Macht bringen würden. Bush: "Warum fragen Sie nicht lieber, warum das so ist?" Die Antwort gab Bush selber: Unter einem repressiven Regime blieben zum Schluss nur die "Bestorganisierten" übrig – nicht die liberal-demokratischen Kräfte.

Dennoch: Ich will hier nicht die Geschichte umschreiben. Ich bin, wer ich bin. Als "Condi" Rice Witzchen unterzubringen versuchte, fuhr ihr Bush grinsend in die Parade: "Hey, Condi, ich bin hier der Komiker." Überraschend, wie offen er mit den Konflikten in seiner Familie umging. Sein Vater habe ihn geliebt, und er seinen Vater. Die Mutter? Er servierte eine Anekdote. Als er in den Gouverneurswahlen von Texas antrat, habe sein Vater, Präsident von 1989 bis 1993, ihn ermuntert: Du wirst das schaffen. Doch seine Mutter reagierte kühl: "Du wirst die Wahl verlieren."

Zum Schluss, mit Blick auf die gescheiterten Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern, setzte er zu einer Eloge auf Rice an, die erst seine Sicherheitsberaterin, dann seine Außenministerin gewesen war. "Sie ist wirklich gut. Und der Plan, der Israel und den Palästinensern Frieden bringt, wird der sein, den sie in meiner Amtszeit entworfen hat." Bloß als Golfspielerin müsse sie noch ein bisschen üben.

Sie revanchierte sich, indem sie ihm eine Baseball-Kappe mit einem großen "S" (für Stanford) überreichte: "Wenn Sie die beim nächsten Golfspiel tragen, Mr. President, werden Sie nur Birdies und Bogeys schlagen (einen über/einen unter Par). Standing Ovations – und die in der Höhle des Löwen.