Die chinesische Polizei hat die Journalistin Gao Yu verhaftet. Die 70-Jährige stehe unter dem Verdacht, Staatsgeheimnisse an eine ausländische Nachrichtenwebseite weitergegeben zu haben, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Demnach sicherten Ermittler derzeit im Pekinger Haus Gaos entsprechende Beweise. Die Reporterin habe zudem ihre Vergehen gestanden, hieß es. 

In wenigen Wochen jährt sich das Tian'anmen-Massaker in Peking zum 25. Mal. Während eines Volksaufstandes hatte die Polizei am 3. und 4. Juni 1989 auf den Straßen von Peking demonstrierende Oppositionelle gezielt niedergeschossen. Mehrere Tausend Menschen starben. Der Tian'anmen war damals das Zentrum der Demokratiebewegung.

Die Journalistin Gao wurde seit dem 26. April vermisst. Sie gilt als prominente Regierungskritikerin. Auch nach der gewaltsamen Niederschlagung des Volksaufstands 1989 hatte sie im Gefängnis gesessen. 

Erst am Dienstag hatten die chinesischen Behörden den prominenten Anwalt Pu Zhiqiang und etliche weitere Personen festnehmen lassen. Dies könnte ein Versuch sein, Aktivisten von Gedenkfeiern anlässlich des Tian'anmen-Massakers abzuschrecken.