Israelische Sperranlagen nahe Jerusalem © Ammar Awad/Reuters

Der frühere südafrikanische Präsident und Friedensnobelpreisträger Frederik de Klerk hat Israel zu einem Friedensschluss mit den Palästinensern aufgefordert. Ansonsten riskiere der jüdische Staat, sich in Richtung Apartheid zu bewegen, sagte de Klerk in einem Interview eines israelischen Fernsehsenders. 

De Klerk sagte, dass es im Moment zwar "unfair" sei, Israel als Apartheidnation zu bezeichnen. Aber ohne die Schaffung eines eigenen Staates für die Palästinenser könnten Probleme entstehen. "Der Test wäre, ob jeder, der in einem solchen Einheitsstaat lebt, auch dieselben politischen Rechte hat", sagte er.

Es werde in Israel einen Wendepunkt geben, ab dem die Zwei-Staaten-Lösung unmöglich werde, sagte de Klerk, wenn die "derzeit bestehenden größten Hürden nicht entfernt werden". Israel müsse schnell agieren. "Nehmen Sie das Zeitfenster wahr. Springen Sie hindurch. Es könnte sich schließen."

De Klerk war der letzte Präsident Südafrikas unter dem Apartheidsystem, das Schwarze über Jahrzehnte hinweg systematisch diskriminierte. Er war in Israel, da ihm die Universität Haifa die Ehrendoktorwürde verliehen hatte.

Vergleiche zwischen der Situation der Schwarzen in Südafrika und der Behandlung der Palästinenser durch Israel sind im Nahost-Konflikt zuletzt häufiger geworden. Israel hatte empört reagiert, als US-Außenminister John Kerry im April eine ähnliche Parallele gezogen hatte. Er hatte seine Äußerung später zurückgenommen. Er habe bei der Beschreibung der möglichen Zukunft Israels das falsche Wort benutzt, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums.