In Istanbul ist es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Regierungsgegnern gekommen. Ein Mann ist dabei offenbar durch Schüsse der Polizei getötet worden. Nach Angaben des stellvertretenden Regierungschefs Bulent Arinc hatte  das Opfer nicht an den Protesten teilgenommen, sondern an einer Beerdigung in der Nähe. Die genauen Umstände seines Todes sind noch unklar.

Der Vorsitzende der Oppositionspartei ÖDP hatte dem Internetportal T24 bereits zuvor gesagt, dass der 30-jährige Mann am Kopf getroffen worden und gestorben sei. Eine offizielle Bestätigung hatte es zunächst nicht gegeben. Auf einem im Internet veröffentlichten Foto ist ein Mann zu sehen, dessen Kopf in einer Blutlache liegt.

Der Gouverneur von Istanbul, Hüseyin Avni Mutlu, bestätigte der Hürriyet den Einsatz von Waffen durch die Polizei. Die Beamten hätten damit auf einen Angriff mit Molotovcocktails vor einer Schule reagiert, sagte der Politiker.

Übereinstimmenden Berichten zufolge hatte eine kleine Gruppe von Demonstranten im Stadtteil Okmeydani ihren Unmut über das Grubenunglück von Soma sowie den Tod eines jugendlichen Demonstranten bei den Gezi-Unruhen im vergangenen Jahr kundgetan, als die Polizei eingriff. Ein Augenzeuge sagte, die Polizisten hätten mit scharfer Munition in die Menschenmenge geschossen.

Eine Gruppe von zunächst etwa 15 Studenten hatte wegen des Grubenunglücks in Soma demonstriert und zugleich an einen von der Polizei im vergangenen Jahr tödlich verletzten Jugendlichen erinnert. Die Polizei setzte dabei Tränengas ein, Demonstranten warfen Steine und Brandsätze. Mehrere Menschen seien dabei verletzt worden, unter ihnen auch zwei Polizisten, berichten türkische Medien. 

Die Polizei wollte sich zunächst nicht zu dem Zwischenfall äußern. Im Arbeiterbezirk Okmeydani gab es wiederholt Protestkundgebungen und Demonstrationen gegen die Regierung.