Schneestürme in Chicago, Tornados über den Great Plains, vereiste Autobahnen in Georgia, extreme Dürre in Texas, Überschwemmungen in Alabama — sehr viele Amerikaner haben in den vergangenen Monaten extremes Wetter erlebt. Mit noch mehr Hitzewellen, Bränden und Insektenplagen müssen sie rechnen, warnt der neueste Klimabericht der US-Regierung, das National Climate Assessment. Der Klimawandel beeinträchtige bereits heute jede Region des Landes und wichtige Teile der Wirtschaft, sagte John Holden, Chef der Behörde für Wissenschaft und Technik im Weißen Haus. 

Das Problem sieht auch US-Präsident Barack Obama: "Das ist kein entferntes Zukunftsproblem, sondern es betrifft Amerikaner hier und heute, mehr Sturmfluten, mehr Dürren, mehr Wildfeuer", sagte Obama in einem Interview mit Al Roker, einem der bekanntesten Meteorologen im amerikanischen Fernsehen. Der Interviewer war wohl gewählt, denn Amerikaner haben zu prominenten Wetteransagern mehr Vertrauen als zu weniger bekannten Klimaforschern.

Vertrauensbildung ist nötig, denn in die Debatte über den Klimawandel ist noch nicht richtig Bewegung gekommen. Laut einer Gallup-Umfrage glaubt zwar die Mehrheit der Amerikaner, dass es noch zu ihren Lebzeiten einen Klimawandel geben wird. Aber nur ein Drittel sieht das als ernsthafte Bedrohung.

Wie so oft in den USA ist das Land gespalten, liegen die Positionen zwischen Republikanern und Demokraten, Rechten und Linken weit auseinander. In liberalen Großstädten wie New York und San Francisco warnen Wissenschaftler vor den Folgen der globalen Erwärmung und können dabei auf Erfahrungen vor der eigenen Haustür verweisen. Alleine in New York City hatte der Hurrikan Sandy Schaden im zweistelligen Milliardenbereich angerichtet, die Schäden an der U-Bahn sind bis heute nicht vollständig beseitigt. Auch Kalifornien wird seit Jahren von Großfeuern heimgesucht.

Vehemente Abwehr im Republikaner-Lager

Die Republikaner sehen die Lage ganz anders. Kaum war der Klima-Bericht veröffentlicht, spottete Mitch McConnell, republikanischer Minderheitsführer im Senat, über scheinheilige liberale Eliten, die den Kampf gegen den Klimawandel propagierten, aber selber einen gleichbleibend großen ökologischen Fußabdruck hinterließen. "Selbst wenn wir strengere Regeln erließen, hätte das keinen Einfluss, solange andere Staaten nicht das gleiche tun", sagte er.

Auch James Inhofe, Republikaner aus Oklahoma, kritisierte Obamas "Agenda des Regulierens". Sie würde Millionen von Arbeitsplätzen kosten. Lamar Smith, Republikaner aus Texas und ausgerechnet Vorsitzender des Wissenschaftsausschusses, nannte den Klimabericht ein "politisches Dokument, dass Amerikaner erschrecken soll: Sie sollen glauben, dass extremes Wetter Resultat des von Menschen verursachten CO2-Ausstoßes ist, tatsächlich gebe es aber kaum wissenschaftliche Belege für den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Stürmen. Immerhin räumte Smith ein, dass das Wetter extremer geworden sei – ein kleiner Fortschritt.

Mit Michael Grimm aus dem New Yorker Distrikt Staten Island, der beim Hurrikan Sandy gründlich verwüstet wurde, kippelt sogar ein Republikaner. Aber die Mehrheit wird voraussichtlich im Senat gegen von Obama eingebrachte Energiespargesetze stimmen.