Einen Tag nach den verheerenden Bombenanschlägen in der nigerianischen Stadt Jos haben Mitglieder der islamistischen Sekte Boko Haram drei Dörfer angegriffen und dabei 48 Menschen ermordet. Damit verloren innerhalb von weniger als 24 Stunden mehr als 160 Menschen durch Angriffe und Anschläge in Nigeria ihr Leben. 

Die Berichte über die Angriffe stammten von Bewohnern der Dörfer und wurden später von einem Sicherheitsbeamten bestätigt. Demnach trugen sich die Taten zwischen Dienstagabend und dem frühen Mittwoch zu. Eine der Ortschaften befindet sich in der Nähe der Stadt Chibok, wo die Gruppe im vergangenen Monat mehr als 300 Schulmädchen entführt hatte.

Ein Einwohner aus dem Dorf Alagarno berichtete, einige Bewohner hätten sich im Busch versteckt. Von dort hätten sie ansehen müssen, wie die Kämpfer ihre Lehmhüten niederbrannten. 

Die meisten Opfer in Jos waren Frauen und Kinder

Unterdessen suchten Bergungskräfte am verwüsteten Tatort in Jos bis in die Morgenstunden nach weiteren Opfern. Offiziell wurden bislang 118 Tote bestätigt. "Wir befürchten, dass wir noch weitere Leichen in den Trümmern finden", sagte jedoch der Koordinator der Notfallhilfe, Mohammed Abdulsalam. Die meisten Opfer seien Frauen und Kinder, die auf dem Markt verkauft hätten. Zudem werden noch mehr als 60 Verletzte in Krankenhäusern behandelt.

Zum Zeitpunkt der Explosionen am Dienstag waren Tausende Menschen vor Ort. Die Autobomben detonierten laut Zeugen im Abstand von einer halben Stunde. Der zweite Sprengsatz tötete demnach auch mehrere Rettungskräfte, die nach der ersten Detonation zum Anschlagsort geeilt waren, um den Opfern zu helfen. Mehrere Gebäude stürzten ein, Flammen wüteten die ganze Nacht. Zeitweise mussten deswegen die Bergungsarbeiten unterbrochen werden.

Zu den Taten in Jos bekannte sich bislang niemand, doch trugen sie die Handschrift der Boko Haram. Im April hatten zwei getrennte Anschläge an einem Busbahnhof der Hauptstadt Abuja mehr als 120 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt. Am Montag hatte eine Autobombe in der nordnigerianischen Stadt Kano 25 Menschen in den Tod gerissen. Für beide Attacken war Boko Haram verantwortlich.

In Jos hatte es bereits 2010 einmal einen Bombenanschlag mit 80 Toten gegeben, der Boko Haram zugeschrieben wurde. Die Stadt liegt im Zentrum zwischen dem islamischen Norden und dem überwiegend christlichen Süden Nigerias. Etwa die Hälfte der 170 Millionen Nigerianer sind Christen. Boko Haram kämpft seit Jahren für einen islamistischen Gottesstaat im Norden.