In einem Geschäftsviertel in der nigerianischen Stadt Jos haben die Explosionen zweier Autobomben mindestens 118 Menschen getötet. Die Detonationen ereigneten sich an einem Busbahnhof und in der Nähe eines belebten Marktes, teilten die Behörden mit. Man befürchte, dass die Zahl der Opfer noch ansteigen werde. Jos liegt nordöstlich der Hauptstadt Abuja.

Laut Zeugen ereigneten sich die Explosionen im Abstand von einer halben Stunde. Die zweite Bombe tötete demnach auch mehrere Rettungskräfte, die nach der ersten Detonation zum Anschlagsort geeilt waren, um den Opfern zu helfen. Unter den Toten sollen auch viele Frauen sein, die mit ihren Kindern auf dem Markt einkaufen wollten.

In der Stadt Jos gab es in der Vergangenheit immer wieder tödliche Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen. Die Islamistengruppe Boko Haram hatte zuletzt mehrere Bombenanschläge verübt. Im April wurden bei zwei getrennten Anschlägen in der Hauptstadt Abuja mehr als 120 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt. Am Montag hatte eine Autobombe in der nordnigerianischen Stadt Kano 25 Menschen in den Tod gerissen.

Die Gruppe kämpft für einen islamistischen Gottesstaat im Norden des Landes. Etwa die Hälfte der 170 Millionen Nigerianer sind Christen. Bei dem Kampf der radikalen Muslime wurden mehr als 3.000 Menschen getötet. Zudem hält Boko Haram immer noch mehr als 270 Schulmädchen als Geiseln.

Die Regierung des Landes beantragte beim UN-Sicherheitsrat offiziell Sanktionen gegen die Gruppe. So soll ein Waffenembargo gegen Boko Haram ausgesprochen werden, zudem soll sie auf eine Sanktionsliste von Terrororganisationen gesetzt werden. Das hieß es aus diplomatischen Kreisen bei den Vereinten Nationen. Durch die Sanktionen würden auch Vermögenswerte eingefroren und Reiseverbote verhängt. 

Die Strafmaßnahmen greifen, falls keines der Sicherheitsratsmitglieder bis Donnerstagnachmittag widerspricht, hieß es. Zuständig ist ein Komitee, das die Strafmaßnahmen gegen das Terrornetzwerk Al-Kaida überwacht.