Neue Kämpfe im Osten drohen die Hoffnungen auf eine Entspannung der Ukraine-Krise zunichte zu machen. Prorussische Separatisten hatten am Montag den Flughafen von Donezk gestürmt, das ukrainische Militär reagierte mit Luftangriffen. Die Gefechte dauerten bis zum Morgen an. Nun meldet das ukrainische Militär, es habe den Flughafen unter seine Kontrolle gebracht. Für den Flugverkehr bleibt das Gelände indes weiterhin gesperrt.

Noch ist unklar, wie viele Menschen bei den Gefechten getötet wurden. Separatisten melden mindestens 35 Tote, ein Journalist spricht von 32 Toten. Die Gesundheitsbehörden bestätigten lediglich, dass es Tote und Verletzte gegeben habe.

Der Separatisten-Anführer Pawel Gubarew teilte mit, ein Lastwagen mit verletzten Kämpfern sei vom ukrainischen Militär beschossen worden, als er vom Flughafen in ein Krankenhaus unterwegs gewesen sei. Der selbst ernannte Gouverneur der nicht anerkannten Volksrepublik Donezk sprach in einer Mitteilung von 15 Verletzten. Eine Bestätigung für seine Angaben gab es zunächst nicht. 

Das Internetportal donbass.ua veröffentlichte neben Gubarews Darstellung auch eine vom ukrainischen Fernsehen ausgestrahlte Videobotschaft eines Donezker Bürgers. Dieser berichtete, das Fahrzeug sei von einem Kampfhubschrauber beschossen worden. Zuvor hätten Separatisten aus dem Lastwagen heraus Menschen auf der Straße wahllos erschossen – angeblich, um die getöteten Zivilisten als anti-ukrainische Propaganda im russischen Staatsfernsehen zu zeigen.

Der am Sonntag gewählte neue prowestliche Präsident Petro Poroschenko hatte eine Verschärfung der Einsätze gegen die Separatisten, die von der Regierung in Kiew als Anti-Terror-Operation bezeichnet werden, angekündigt.

Gleichzeitig bot Poroschenko einen Dialog mit Moskau an. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte nach Angaben von Interfax, seine Regierung sei dazu bereit. Allerdings forderte er Poroschenko auch auf, die Anti-Terror-Operation zu stoppen. 

Ein Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin vertröstete die Regierung in Kiew: Es sei "noch zu früh", um ein Treffen zwischen Poroschenko und Putin zu vereinbaren.