Die rechtspopulistische Partei UKIP hat die Europawahl in Großbritannien gewonnen. Nach Auszählung eines Großteils der Stimmen kam die UKIP auf 28 Prozent. Einer Berechnung der BBC zufolge entfallen damit 24 der 73 britischen Sitze auf die UKIP. Auf Platz zwei folgt die Labour-Partei mit rund 25,5 Prozent der Stimmen und etwa 20 Sitzen, knapp vor den Konservativen von Premierminister David Cameron mit 24 Prozent und 19 Sitzen. UKIP-Chef Nigel Farage bezeichnete den Wahlausgang als "außergewöhnlichstes Ergebnis seit 100 Jahren" und sprach von einem "Erdbeben" für die britische Politik. "Das ist nicht das Letzte, was ihr von uns gehört habt", rief er Anhängern und Kritikern gleichermaßen zu.

Bei den Europawahlen 2009 hatten in Großbritannien noch die Konservativen vorne gelegen. Aber auch damals hatte die UKIP, die vor allem den Austritt Großbritanniens aus der EU anstrebt, mit 16,5 Prozent erfolgreich abgeschnitten und bereits 13 Abgeordnete nach Brüssel und Straßburg entsandt.

Auch in anderen Ländern bekamen rechtspopulistische und euroskeptische Parteien teils großen Zulauf. In Frankreich wurde die ausländerfeindliche Front National (FN) mit 25 Prozent der Stimmen sogar stärkste Kraft, wie das Innenministerium in Paris mitteilte. Die Partei von Marine Le Pen lag damit über vier Prozentpunkte vor der konservativen UMP des früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy. Hingegen mussten die regierenden Sozialisten von Staatschef François Hollande eine Niederlage einstecken und landeten abgeschlagen auf Platz drei.

Rechte und populistische Parteien kommen auf rund 19 Prozent

Auch in Dänemark deutet sich ein Durchmarsch der Rechtspopulisten an. Die Dänische Volkspartei kam Prognosen zufolge mit über 26 Prozent auf den ersten Platz. In Deutschland schnitt die eurokritische AfD stark ab. In Österreich legte die rechtspopulistische FPÖ deutlich zu und landete mit knapp 20 Prozent auf dem dritten Platz. Auch in Griechenland nutzten die Wähler die Wahl für eine Abrechnung mit der Regierung. Die Linksallianz Syriza kam ersten Ergebnissen zufolge auf über 26 Prozent. Damit lag sie vor der konservativen Nea Dimokratia von Regierungschef Antonis Samaras mit 23,5 Prozent.

Trotz der Zugewinne der Europaskeptiker bleiben die etablierten
Parteien stärkte Kraft im EU-Parlament.
Die Europäische Volkspartei (EVP) errang mit ihrem Spitzenkandidaten Jean-Claude Juncker nach der am späten Abend vom Europaparlament veröffentlichten Hochrechnung 28,2 Prozent der Stimmen - deutlich weniger als 2009. Damals kamen die Konservativen auf 35,8 Prozent. Die Sozialdemokratische Partei Europas (SPE) mit ihrem Spitzenkandidaten Martin Schulz landete mit 24,6 Prozent auf Platz zwei. Auf Platz drei lagen die Liberalen mit 9,9 Prozent. Die rechtsorientierten und populistischen Parteien erreichten insgesamt rund 19 Prozent. Ob es am rechten Rand nun eine neue EU-Parlamentsfraktion geben wird, ist noch offen.