Ukraine-Live-Blog: Separatisten halten OSZE-Beobachter fest

Vier OSZE-Mitarbeiter befinden sich in der Gewalt der Separatisten. In Donezk gibt es viele Tote. Putin fordert Gespräche. Die Ereignisse des Tages im Live-Blog
Ein prorussischer Separatist bewacht im Donbass ein Krankenhaus. © Jakub Kaminski / pap / dpa

Ukrainische Regierungstruppen haben nach eigenen Angaben den Flughafen von Donezk zurückerobert. Laut Innenminister Awakow erlitten die prorussischen Milizen dabei "schwere Verluste". Der Bürgermeister der Stadt, Alexander Lukjantschenko, sprach von 40 Toten, darunter auch zwei Zivilisten. 31 Menschen sollen verletzt worden sein.

Die OSZE hat den Kontakt zu einem in der Gegend um Donezk aktiven Beobachter-Team verloren. Die vier aus Estland, der Schweiz, der Türkei und Dänemark stammenden Mitglieder der Gruppe sollen zuletzt auf einer routinemäßigen Patrouillenfahrt gewesen sein. Nach Informationen der dänischen Regierung befinden sich die Beobachter in der Gewalt von Separatisten. 

Russlands Präsident Putin forderte die ukrainische Regierung zum Dialog mit Vertretern der Regionen des Landes auf. Solche Gespräche könnten zur Lösung des Konflikts beitragen, sagte Putin in einem Telefonat mit dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi. Ob Putin damit auch die militanten Separatisten meinte, blieb unklar. Zugleich verlangte er – wie schon zuvor andere russische Regierungsvertreter – den Stopp der ukrainischen Militäraktion in der Ostukraine. Der neugewählte ukrainische Präsident Poroschenko hatte kurz zuvor angekündigt, den Einsatz unverändert fortzuführen.

Dem Gesprächsangebot gegenüber zeigte sich Poroschenko aber offen. Übergangsregierungschef Jazenjuk lehnte direkte Verhandlungen mit Russland dagegen ab. Derzeit seien bilaterale Verhandlungen ohne die USA und die EU ausgeschlossen, sagte Jazenjuk im Kabinett. "Wenn du dich mit ihnen alleine an den Tisch setzt, werden sie dich auf jeden Fall hereinlegen."

Die Ereignisse vom Montag lesen Sie hier. Alle Meldungen, Berichte und Analysen zur Ukraine sind hier zu lesen.

  • 23:13 Uhr
    Simone Gaul

    (23:09) Die EU hat den nächsten Schritt eingeleitet, um Ukrainern eine Einreise ohne Visum zu ermöglichen. Das Land habe die dafür erforderlichen Reformen auf den Weg gebracht, teilte die EU-Kommission mit. In einem zweiten Schritt soll nun die Umsetzung geprüft werden. Dabei geht es etwa um gesetzliche Regelungen für die Ausgabe sicherer Dokumente oder die Kontrolle illegaler Einwanderung.

  • 19:16 Uhr
    Simone Gaul

    (19:13) US-Präsident Barack Obama will während seiner Europa-Reise kommende Woche seinen designierten ukrainischen Kollegen Poroschenko treffen. In einem Telefonat habe Obama Poroschenko die volle Unterstützung der USA angeboten, um die Ukraine wieder zu einen, teilte das Weiße Haus mit. 

  • 18:12 Uhr
    Simone Gaul

    (18:05) Die vier vermissten OSZE-Beobachter sind nach Angaben der dänischen Regierung in der Gewalt prorussischer Separatisten. Der dänische Handels- und Entwicklungsminister Mogens Jensen sagte, Bewaffnete hätten die vier Mitarbeiter aus Estland, der Schweiz, der Türkei und Dänemark am Montag an einer Straßensperre festgesetzt. Bisher konnte die OSZE keinen Kontakt herstellen.

  • 16:01 Uhr
    Tilman Steffen


    (15:53) Das Magazin Interpretermag hat eine informative Google Map mit den wichtigsten Brennpunkten in der Ukraine gebaut. Per Klick auf die jeweilige Markierung wird der Stand der Dinge sichtbar, darunter auch der Vorfall an der Grenze zu Russland nahe Swerdlowsk, bei dem ukrainische Grenzer einen Konvoi mit Waffen und Separatisten stoppten (siehe dieses Blog, 10.00 Uhr)

  • 14:30 Uhr
    Tilman Steffen

    (14:28) Nach und nach werden in Donezk die getöteten Kämpfer identifiziert. Die Führung der selbsternannten Volksrepublik Donezk spricht mittlerweile von mindestens 50 Toten. Der Bürgermeister nannte 40 als Opferzahl – laut ukrainischem Militär darunter auch zwei Zivilisten.

    Unter den Verletzten nach dem Kampf um den Flughafen Donezk sind laut Lukjantschenko auch acht Russen, darunter auch Tschetschenen. Unter den Toten soll ein Bewohner der Krim sein.

  • 14:08 Uhr
    Tilman Steffen

    (14:08) Die OSZE hat seit Montagabend den Kontakt zu einem ihrer Beobachter-Teams in Donezk verloren. Die vier Mitglieder der Gruppe sollen zuletzt auf einer routinemäßigen Patrouillenfahrt gewesen sein. Es sei nicht möglich, eine Verbindung zu den Angehörigen der Special Monitoring Mission zu bekommen, heißt es in einer Mitteilung. Man bemühe sich weiter. Die Regierung sei informiert.

  • 13:43 Uhr
    Tilman Steffen

    (13.44) Russlands Präsident Putin hat nun auch selbst die ukrainische Regierung zum Dialog mit Vertretern der Regionen des Landes aufgefordert. Solche Gespräche könnten zur Lösung des Konflikts beitragen, sagte Putin in einem Telefonat mit dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi. Ob Putin damit auch die militanten Separatisten meinte, blieb unklar.

    Zugleich verlangte er – wie schon zuvor andere russische Regierungsvertreter – den Stopp der ukrainischen Militäraktion gegen die Separatisten in der Ostukraine.

    Der neugewählte ukrainische Präsident Poroschenko jedoch hatte kurz zuvor angekündigt, den Einsatz unverändert fortzuführen. Vor allem in Donezk ging das Militär hart gegen prorussische bewaffnete Kämpfer vor.

  • 13:32 Uhr
    Tilman Steffen

    (13:32) Unter den vielen bewaffneten Uniformierten in Donezk ist eine Gruppe, deren Mitglieder sich als russische Kämpfer bezeichnen und angeben, Russland schützen zu wollen. Und sie hätten schon in Tschetschenien unter dem damaligen Präsidenten Kadyrow gekämpft. Das belegen Filmaufnahmen von Reportern von CNN und Vice. In den Videos zeigen sich die Uniformierten unmaskiert – im Gegensatz zu anderen prorussischen Separatisten in der Ostukraine. Auf entsprechende Fragen antworten sie, sie seien Tschetschenen und hätten auch schon in Afghanistan gekämpft.

    Der tschetschenische Präsident Kadyrow hatte sich mit Beginn des zweiten Tschetschenienkrieges 1999 von der Unabhängigkeitsbwegung losgesagt und war auf die Seite Russlands gewechselt.

    Die Bewaffneten in Donezk traten unter anderem am Montag am Rand einer prorussischen Veranstaltung auf, feuerten in die Luft, um Stärke zu demonstrieren. Viele Einwohner zeigten ihre Sympathie mit den Kämpfern, versorgten sie mit Wasser und anderen notwendigen Dingen.

    Unter den Verletzten nach dem Kampf um den Flughafen Donezk sollen laut Bürgermeister Lukjantschenko auch Moskauer sein, weiterhin Bürger aus Tschetschenien.

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