Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat nach eigenen Angaben den Kontakt zu einem weiteren Beobachterteam in der Ostukraine verloren. Seit Donnerstagabend habe sie von der Gruppe aus vier Personen in der Region Luhansk nichts gehört, teilte die OSZE mit. Das Team sei kurz zuvor von Bewaffneten bei Sewerdonzk etwa 100 Kilometer nördlich von Luhansk angehalten worden.

Auch von den vier Beobachtern eines ersten Teams, die bereits seit Montag in der Ostukraine vermisst werden, fehle weiter jede Spur. Die Separatisten in der Region hatten zuvor behauptet, sie hätten die vier verschleppten OSZE-Beobachter wieder freigelassen. Die Festgenommenen seien verwarnt worden, sich künftig nicht mehr ohne Voranmeldung auf dem Gebiet der selbsternannten Volksrepublik Luhansk aufzuhalten, sagte Separatistenführer Alexej Tschmilenko der Agentur Interfax.  

Die Milizen in der Region werden zurzeit durch eine Offensive der ukrainische Übergangsregierung zurückgedrängt. Die Regierungstruppen hätten die Milizen "vollständig" aus Teilen der Ostukraine vertrieben, sagte Verteidigungsminister Michail Kowal. Teile der Region Donezk sowie der Norden der Region Luhansk seien unter der Kontrolle der ukrainischen Armee. Seinen Angaben zufolge wurden seit Beginn der Militäroffensive Mitte April mehr als 20 ukrainische Soldaten getötet.

Merkel lädt Poroschenko nach Berlin ein

Nach dem Abschuss eines Armeehubschraubers in der Ostukraine hat der neugewählte ukrainische Präsident Petro Poroschenko den Separatisten mit harten Strafen gedroht. "Wir müssen alles dafür tun, dass keine Ukrainer mehr durch die Hände von Terroristen und Banditen sterben", sagte er ukrainischen Nachrichtenagenturen. Es handele sich um "kriminellen Akte der Feinde des ukrainischen Volkes", die nicht ungestraft bleiben würden. Der Hubschrauber war am Donnerstag nahe Slowjansk abgeschossen worden, zwölf Menschen wurden getötet. Anfang der Woche hatte es zudem heftige Gefechte um den Flughafen von Donezk gegeben, den die Regierungstruppen nach eigenen Angaben am Dienstag zurückeroberten. Ihr sogenannter Anti-Terror-Einsatz soll nach einer vollständigen Stabilisierung der Lage beendet werden. "Wir werden weitermachen, bis die Region normal lebt und arbeitet", sagte Verteidigungsminister Kowal.

Bundeskanzlerin Angela Merkel lud Poroschenko derweil nach Berlin ein. "Sie sind ein beeindruckendes Zeichen für den Willen der Ukrainer, Freiheit und Selbstbestimmung ihres Landes mit demokratischen Mitteln zu stärken", schrieb Merkel in einem Glückwunschtelegramm zu Poroschenkos Wahlsieg. Darin versichert Merkel, dass Deutschland der Ukraine zur Seite stehen werde: "In Ihrem Ziel, den Zusammenhalt aller Ukrainerinnen und Ukrainer zu stärken, ermutige ich Sie ausdrücklich. (...) Meine besondere Anerkennung gilt den Wählern im Osten, die trotz Bedrohung und Einschüchterung von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht haben."