Die ukrainische Armee hat laut Innenminister Arseni Awakow die Separatisten in der ostukrainischen Region um die Städte Slowjansk und Kramatorsk angegriffen. Mit schweren Waffen hätten Spezialkräfte Stellungen der prorussischen Milizen beschossen, schrieb er auf Facebook. Man habe die Bewohner der beiden Städte davor gewarnt, auf die Straßen zu gehen. Der Verkehr in der Region sei auf ein Minimum begrenzt.

Awakow bestätigte, dass durch den Abschuss eines ukrainischen Militärhubschraubers nahe Slowjansk ein Pilot starb. Weitere seien verletzt. Später bestätigte die Regierung, einen zweiten Hubschrauber verloren zu haben, dessen Pilot ebenfalls ums Leben kam. Moskauer Agenturen zitierten Separatisten, wonach Slowjansk von Regierungstruppen mit schwerem Militärgerät umstellt ist.

Milizenführer Wjatscheslaw Ponomarjow sagte der russischen Agentur Interfax, ein Pilot sei gefangen genommen worden.  Zwei weitere Besatzungsmitglieder seien geflüchtet, hieß es. Ponomarjow sprach von zwei abgeschossenen Hubschraubern. Es wurde zudem zitiert, die ukrainischen Truppen hätten die TV-Station übernommen. Außerdem sollen ukrainische Soldaten das Dorf Bilbassiwka besetzt haben. Die gefangen gehaltenen OSZE-Beobachter, darunter vier Deutsche, seien "an einem sicheren Ortes außerhalb der Kampfzone", sagte Ponomarjow der Bild. Eine unabhängige Bestätigung für diese Details gibt es bisher nicht.

Das ukrainische Militär attackierte verschiedene Kontrollposten am Stadtrand. Mehrere Mitglieder der moskautreuen Milizen wurden verletzt. Die Separatisten entzündeten Reifen, schwarzer Rauch stieg auf. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters sah einen Militärhubschrauber, der in einem Vorort das Feuer eröffnete. Auch Gewehrfeuer war zu hören.

Die russische Staatsagentur Ria Nowosti meldete, Hubschrauber kreisten über der Stadt. Die moskautreuen Separatisten hätten die Einwohner mit Sirenen und Kirchenglocken vor dem Angriff gewarnt. Im Stadtzentrum sei es ruhig, meldete die russische Staatsagentur Itar-Tass.

Die Separatisten haben Regierungsgebäude in mehreren Städten der Ostukraine in ihrer Gewalt. Slowjansk wird seit Wochen von der sogenannten Volksmiliz kontrolliert. Vor einer Woche hatten der selbsternannte Bürgermeister Ponomarjow und seine Kämpfer mehrere Militärbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) festgenommen, darunter die vier Deutschen.

Wegen der Sicherheitslage hatte die Ukraine jüngst die Wehrpflicht wiedereingeführt. Die Krise in der Ukraine ist auch Thema eines Gespräches von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit US-Präsident Barack Obama.