Ukraine-Wahl im Live-Blog: Poroschenko und Klitschko feiern sich als Sieger

Der Milliardär Petro Poroschenko kann laut Prognosen mit einem Wahlsieg rechnen. Vitali Klitschko wird Bürgermeister von Kiew. Die Ereignisse des Tages im Live-Blog
Petro Poroshenko (l.) und Vitali Klitschko © Gleb Garanich/Reuters

Rund drei Monate nach dem Sturz von Viktor Janukowitsch wird der Oligarch Petro Poroschenko wohl neuer Präsident der Ukraine. Der 48-jährige Milliardär erklärte sich zum Wahlsieger, nachdem er Prognosen zufolge mit mehr als 55 Prozent der Stimmen bereits im ersten Durchgang die absolute Mehrheit errungen hat. Die zweitplatzierte Julija Timoschenko erhielt knapp 13 Prozent. Im Osten des Landes hielten bewaffnete prorussische Separatisten die Bürger allerdings zu großen Teilen von der Stimmabgabe ab. Poroschenko gratulierte zudem Ex-Boxchampion Vitali Klitschko, der die Bürgermeisterwahl in Kiew gewann.

Die Wahlbeteiligung war nach Angaben der Behörden in den meisten Landesteilen hoch. In den beiden Unruhe-Provinzen Donezk und Luhansk hatten aber nur etwa 20 Prozent der Wahllokale geöffnet, sagten sie. Auch die Bürger auf der Krim konnten sich nicht an der Abstimmung beteiligen.

Poroschenko verspricht den 45 Millionen Ukrainern eine engere wirtschaftliche und politische Anbindung an den Westen und trotzt damit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Die Abstimmung habe ihm das Mandat gegeben, seinen europafreundlichen Kurs fortzusetzen, sagte er. Noch in diesem Jahr solle eine Parlamentswahl stattfinden, kündigte Poroschenko an. Als Erstes werde er aber in den Osten des Landes reisen, um dort "Krieg und Chaos" zu beenden. Verhandlungen mit den Separatisten schloss er aus, bis sie ihre Waffen niederlegten.

US-Präsident Barack Obama erklärte am Abend, die USA freuten sich auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Präsidenten. Die Wahl in der Ukraine wird auch Thema beim EU-Gipfel am Dienstag sein. Die Bundesregierung wertete den Ausgang der Wahl als klares Signal für die Einheit des Landes. Ein Sieg Poroschenkos "wäre jedenfalls ein klares Signal auch an die Separatisten in der Ostukraine", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in der ARD. Er hoffe, dass Russlands Präsident Wladimir Putin die Wahl wie angekündigt respektieren werde.

Bei der Bürgermeisterwahl in der ukrainischen Hauptstadt Kiew siegte der mehrfache Boxweltmeister Klitschko. Der Verbündete von Poroschenko erzielte laut einer Nachwahlbefragung im Auftrag des Staatsfernsehens 57,4 Prozent der Stimmen. Seine Udar-Partei  wurde nach eigenen Angaben zudem mit rund 40 Prozent stärkste Fraktion im Kiewer Stadtrat.


Die Ereignisse des Tages im Blog:

  • (00:56) Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko will als Bürgermeister von Kiew die Barrikaden auf dem zentralen Platz Maidan entfernen lassen. "Ich bin den Aktivisten des Maidans dankbar, doch jetzt rufe ich sie auf, die Barrikaden zu räumen", sagte der 42-Jährige. Mit den Sperren aus Autoreifen, Steinen und Holzlatten hatten sich die Gegner des gestürzten Präsidenten Viktor Janukowitsch bei ihren monatelangen Protesten gegen die Sicherheitskräfte geschützt.

  • (22:40) Der deutsche Wahlbeobachter Andrej Hunko hat in Odessa eine reibungslos abgelaufene Präsidentenwahl erlebt. Der Bundestagsabgeordnete der Linkspartei besuchte mit seinem CSU-Kollegen Bernd Fabritius mehr als zehn Wahllokale. Die Wahlbeteiligung sei überraschend hoch gewesen. "Es gab einen Trend unter den Wählern in den vergangenen Tagen: keinen weiteren Wahlgang, keine weitere Hängepartie", sagte Hunko.  

  • (22:20) Die ukrainische Regierung will den Militäreinsatz gegen prorussische Separatisten verstärken. Während des Wahltages sei der "Anti-Terror-Einsatz" unterbrochen worden, um die Stimmabgabe nicht zu gefährden, sagte Vizeregierungschef Witali Jarema. Nun werde die aktive Phase fortgesetzt. Örtliche Medien berichteten, dass es am Abend am Stadtrand von Slowjansk zu heftigen Gefechten gekommen sei. Das Militär habe die Stadt erneut unter Artilleriebeschuss genommen.

  • (21:30) US-Präsident Barack Obama hat dem ukrainischen Volk zur Präsidentenwahl gratuliert. Obama sagte dem künftigen Staatsoberhaupt seine Unterstützung bei "wichtigen politischen und wirtschaftlichen Reformen" zu. Die Ukrainer lobte er für ihren Mut und ihre Entschlossenheit, "ihre Führungspersonen ohne Einmischung von außen zu wählen und in einer Demokratie zu leben". 


    Trotz Provokationen und Gewalt seien Millionen Ukrainer in die Wahllokale gegangen, um ihrer Stimme Gehör zu verschaffen. "Diese Wahl ist ein weiterer Schritt nach vorn bei den Bemühungen der ukrainischen Regierung, das Land zu einen und dafür zu sorgen, dass den Sorgen und Bestrebungen aller Bürger Rechnung getragen wird", hieß es in der schriftlichen Erklärung des Präsidenten.

  • (21:00) Gläserne Urnen, mobile Wahlteams und bewaffneter Boykott: Hier zeigen wir Bilder vom Wahlsonntag.

  • (20:50) Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine erwarten keine Gespräche mit dem voraussichtlich neuen Präsidenten Petro Poroschenko. Der Oligarch finanziere und unterstütze den Militäreinsatz der Regierungstruppen gegen die moskautreuen Kämpfer, sagte einer der Separatistenführer, Miroslaw Rudenko, der russischen Agentur Interfax. "Wie kann es da einen Dialog geben", sagte der Aktivist.

    Falls Poroschenko doch verhandeln wolle, müsse er zunächst harte Bedingungen erfüllen: die Militäroperation einstellen, die Truppen abziehen und "unsere Souveränität" anerkennen, sagte Rudenko. "Aber ich bezweifele, dass er diese Schritte unternehmen wird." Die selbst ernannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk hatten nach nicht anerkannten Referenden ihre Unabhängigkeit von Kiew nach Vorbild der Schwarzmeerhalbinsel Krim erklärt.

  • (20:40) Die Bundesregierung hat den Ausgang der Wahl in der Ukraine als klares Signal für die Einheit des Landes gewertet. Ein Sieg Poroschenkos "wäre jedenfalls ein klares Signal auch an die Separatisten in der Ostukraine", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in der ARD. "Die große Mehrheit der Menschen in der Ukraine wünscht sich Einheit, Freiheit und Demokratie, aber keine Abspaltungen und Spaltungen in der Ukraine." Er hoffe, dass Russlands Präsident Wladimir Putin die Wahl wie angekündigt respektieren werde.

    Bei einem Sieg komme auf Poroschenko "große Arbeit zu", sagte Steinmeier. Ob es ihm gelingen werde, "ein gespaltenes Land zu einen, wird vor allem davon abhängen, wie der Verfassungsprozess jetzt angegangen wird". Es müssten "glaubwürdige Signale auch in den Osten der Ukraine gesandt werden, dass man die Regionen nicht missachten will, (...) dass man ihnen Beteiligungsmöglichkeiten geben will". Zwar sei es bedauerlich, dass viele Menschen in der russisch geprägten Region Donbass ihre Stimmen nicht hätten abgeben können. Er rechne aber auch in der Ostukraine mit einer hohen Wahlbeteiligung.

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