Die US-Armee soll Pistolen des deutschen Herstellers Sig Sauer illegal nach Kolumbien geliefert haben. Die Policia Nacional, die dem kolumbianischen Verteidigungsministerium untersteht, sei komplett mit Waffen made in Germany ausgerüstet, berichteten Polizisten dem NDR und der Süddeutschen Zeitung. Die Policia National wird für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht. 

Die unrechtmäßige Lieferung der Pistolen sei zwischen 2009 und 2012 erfolgt. Demnach exportierte das US-Militär 100.000 Pistolen des Typs 2022 nach Kolumbien. Eigentlich hätten die Pistolen komplett aus amerikanischer Fertigung der Sig Sauer stammen sollen. Doch nach Informationen von NDR und SZ waren Waffen und Waffenteile aus der deutschen Produktion in Eckernförde Teil der Lieferungen. Dies gehe aus Foto- und Videodokumenten sowie Aussagen ehemaliger kolumbianischer Polizisten hervor.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle in Eschborn bestätigte, dass es "keine Genehmigungen oder Re-Export-Genehmigungen für die Ausfuhr dieser Waffen nach Kolumbien" erteilt habe. Damit haben US-Behörden wissentlich oder unwissentlich deutsches Recht gebrochen.  

Die Waffen waren für die USA bestimmt

Zwischen 2009 und 2011 waren vom Firmensitz von Sig Sauer mehrere Tausend Waffen an das Schwesterunternehmen in New Hampshire in den USA geliefert worden. Diese Exporte wurden vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle genehmigt. In einem sogenannten Endverbleibszertifikat hatte das US-Außenministerium bestätigt, dass die fraglichen Waffen in den USA bleiben würden. Die Pistolen gingen dann aber offenbar teilweise nach Kolumbien. NDR und SZ konnten den Weg einer Waffe anhand der Registrierungsnummer nachvollziehen. 

Weder die Firma Sig Sauer noch die zuständigen US-Behörden haben sich bisher zu den Waffenlieferungen geäußert. Politische Grundsätze der Bundesregierung zu Waffenexporten schreiben vor, dass ein Empfängerland bei Verstößen gegen die abgegebenen Endverbleibserklärungen "bis zur Beseitigung dieser Umstände grundsätzlich von einer Belieferung mit weiteren (...) Rüstungsgütern ausgeschlossen" bleibt. Die Vereinigten Staaten sind einer der größten Abnehmer deutscher Rüstungsgüter.