Ägyptische Polizisten nehmen einen Anhänger der Muslimbrüder in Kairo fest. © Mohamed El-Shahed/Getty Images

In einem geheimen ägyptischen Militärgefängnis werden bis zu 400 Gefangene ohne Verurteilung festgehalten und systematisch gefoltert. Das berichtet der Guardian nach ausführlichen eigenen Recherchen. Das Gefängnis Azouli befindet sich auf der Militärbasis Al Galaa in der Stadt Ismailia, die 130 Kilometer nordöstlich von Kairo liegt. Seit mindestens Ende Juli 2013, also nach dem Sturz Mursis und der Machtübernahme des Militärs, ist das Gefängnis in Betrieb. 

Den Recherchen war ein Bericht von Amnesty International vorausgegangen, in dem allerdings nur von ein paar Dutzend Häftlingen die Rede war. Wie der Guardian schreibt, könne allein der dritte Stock des Gefängnisses, in dem die meisten Häftlinge untergebracht werden, bis zu 300 Personen aufnehmen. Die Gesamtzahl der bisher Inhaftierten sei vermutlich höher, da einige Gefangene entlassen wurden und neue hinzukamen. Der Guardian beruft sich dabei auf Gespräche mit ehemaligen Inhaftierten, Anwälten, Menschenrechtsaktivisten und Familienangehörigen von Verschwundenen. 

Einige der Häftlinge seien Mitglieder der verbotenen Muslimbruderschaft, andere hatten an Studentenprotesten teilgenommen und wieder andere seien zufällig festgenommen worden. Mindestens ein Kind befände sich unter den Inhaftierten, außerdem ein Journalist. Der überwiegende Teil seien jedoch Salafisten, die verdächtigt würden, an Anschlägen beteiligt zu sein, die nach der gewaltvollen Auflösung der Proteste für Mohamed Mursi im August 2013 begonnen haben. Viele dieser Inhaftierten stammten vom Sinai.      

Die Häftlinge kommen den Angaben zufolge mit verbundenen Augen ins Gefängnis. Es gebe keine Gerichtsverhandlung, die Inhaftierten verschwänden einfach. "Offiziell bist du gar nicht da", sagt ein ehemaliger Inhaftierter, einer der wenigen, die bisher entlassen wurden. "Es gibt keine Dokumentation darüber, dass du hier bist. Wenn du in Azouli stirbst, wird es niemand erfahren."     

Präsident al-Sissi leitete den Militärgeheimdienst

Den Gefangenen werden dem Bericht zufolge regelmäßig Elektroschocks versetzt, zudem werden sie geschlagen und nackt an zusammengebundenen Handgelenken aufgehängt. Damit sollen offenbar Informationen erzwungen werden oder erreicht werden, dass die Inhaftierten auswendig gelernte Geständnisse aufsagen.       

Die vom Guardian befragten ehemaligen Häftlinge glauben, dass sie von Offizieren des Militärgeheimdienstes befragt wurden. Dieser militärische Arm des Geheimdienstes wurde bis zum Jahr 2012 von Abdel Fatah al-Sissi, dem jetzigen Präsidenten, geleitet. Auch die Geheimpolizei Amn al-dawla sei an den Verhören beteiligt gewesen, berichteten sie.

Ein hoher Militärbeamter hat die Existenz des Gefängnisses Azouli eingestanden. Zu den Folterberichten äußerte er sich jedoch nicht.  

Insgesamt wurden seit dem Regimewechsel im Juli 2013 mindestens 16.000 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert. Diese Zahl stammt von ägyptischen Innenministerium. Der Guardian schreibt, dass es nach "unabhängigen Schätzungen" bis zu 41.000 Gefangene sein könnten.