Ägypten hat wieder einen Ex-General als Präsidenten – drei Jahre nach dem Sturz von Hosni Mubarak. Abdel Fattah al-Sissi wurde am Sonntag in einer Zeremonie vor dem Verfassungsgericht als neuer Mann an der Spitze des Staates vereidigt. Während aus der arabischen Welt mehrere Staatschefs, Emire und Kronprinzen anreisten, ließen sich die westlichen Regierungen durch ihre Botschafter vertreten. 

Sissi versprach der Bevölkerung, für ein stabiles, prosperierendes und sicheres Ägypten zu sorgen. Zehntausende seiner Anhänger feierten den Amtsantritt am Sonntagabend auf dem Tahrir-Platz. Dort kam es nach Berichten in sozialen Medien erneut zu mindestens einer Massenvergewaltigung sowie zahlreichen sexuellen Übergriffen gegen Frauen.   

Die meisten Reaktionen aus dem Ausland auf Sissis Amtsantritt waren ausgesprochen reserviert. Der saudische König Abdullah gratulierte Sissi per Telegramm und kündigte eine Geberkonferenz für Ägypten an. Er forderte allerdings den neuen Staatschef auf, mit allen Andersdenkenden im Land "einen breiten nationalen Dialog zu eröffnen, sofern an ihren Händen kein Blut klebt".   

Saudi-Arabien hat seit dem Sturz Mursis zusammen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuwait das neue militärgestützte Regime in Kairo mit über 20 Milliarden Dollar unterstützt und so die Wirtschaft am Nil vor dem Kollaps bewahrt.  

Russland Präsident Wladimir Putin lud Sissi "sobald wie möglich" zu einem Staatsbesuch in den Kreml ein. Die USA und die EU kündigten an, man werde mit dem neuen Präsidenten zusammenarbeiten, kritisierten jedoch erneut "die restriktive politische Situation" in Ägypten. Bisher reagierten die westlichen Staaten milde auf die gewaltsame Unterdrückung der Zivilgesellschaft durch den Putschisten. Beobachter vermuten, dass es den USA und der EU vor allem um Stabilität in der Region gehe und dass dafür auch ein Herrscher wie Sissi in Kauf genommen werde.    

Mursi aus dem Amt geputscht

Sissi hatte im Juli 2013 den ersten demokratisch gewählten Präsidenten Ägyptens, den Muslimbruder Mohammed Mursi, aus dem Amt geputscht. Ende Mai gab es neuerliche Präsidentenwahlen, dabei waren die Muslimbrüder nicht zugelassen.  

Mit dem Linkspolitiker Hamdeen Sabahi trat nur ein aussichtsloser Zählkandidat gegen den populären Ex-Feldmarschall an. So errang Sissi knapp 97 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag offiziell bei 47,4 Prozent, die Zahl ist aber möglicherweise manipuliert.   

41.000 Menschen verhaftet

Seit dem Putsch setzt das Regime von Sissi seinen Machtanspruch mit Gewalt durch. Nach Angaben von ägyptischen Menschenrechtsgruppen wurden bisher 41.000 Menschen verhaftet. Folter und sexuelle Misshandlungen in ägyptischen Gefängnissen sind an der Tagesordnung. Ein Gericht in Minia verurteilte nach nur einer Stunde Verhandlung mehr als tausend Muslimbrüder zum Tode.

In seiner Antrittsrede schloss Sissi jeden Kompromiss mit den Muslimbrüdern aus. "Wir sprechen mit niemandem, an dessen Händen Blut klebt und zu dessen Ideologie der Einsatz von Gewalt gehört", sagte der 59-Jährige.   

Dschihadisten starten Terrorwelle

Sissi selbst hat das Massaker von Rabaa Adawiya im August 2013 zu verantworten. Damals waren nach Zählungen von Menschenrechtlern mehr als 900 Demonstranten gestorben, die meisten durch gezielte Schüsse in Kopf, Hals, Herz oder Oberschenkel. Amnesty International wertet das Massaker als das "gravierendste Ereignis ungesetzlicher Massentötungen in der modernen Geschichte Ägypten".

Seit dieser Gewalttat durch die Sicherheitskräfte erlebt Ägypten eine wachsende Terrorwelle, in der in den letzten zehn Monaten über 500 Polizisten und Soldaten starben. Dschihadistengruppen sind für die Anschläge verantwortlich. Sie stehen Al-Kaida nahe.