US-Präsident Barack Obama hat zu Beginn seiner Europa-Reise einen eine Milliarde Dollar (735 Millionen Euro) umfassenden Sicherheitsplan für Osteuropa angekündigt. Mit der "Initiative zur Rückversicherung Europas" sollten zusätzliche Boden-, Luft-, sowie Marinestreitkräfte für die "neuen Alliierten" in Osteuropa finanziert werden, sagte Obama in Warschau. Auch die Fähigkeiten von Nicht-Nato-Mitgliedern wie der Ukraine, Georgiens und Moldaus zur Zusammenarbeit mit den USA und der Nato sowie zum Ausbau ihrer Verteidigungskräfte sollten gefördert werden.

Einer Erklärung des Weißen Hauses zufolge planen die USA wegen der Ukraine-Krise unter anderem eine stärkere Beteiligung der US-Marine an Einsätzen der Nato-Seestreitkräfte, darunter im Mittelmeer und im Schwarzen Meer. Dies werde aber nicht zulasten anderer vorrangiger Verteidigungsprojekte gehen, etwa dem Engagement im asiatisch-pazifischen Raum.

Die Initiative Obamas muss noch vom US-Kongress bestätigt werden. Die USA hatten die europäischen Nato-Staaten in der Vergangenheit immer wieder aufgefordert, mehr in Verteidigung zu investieren und ihre Wehretats nicht zu kürzen. "Die Lage in der Ukraine erinnert uns daran, dass es Freiheit nicht umsonst gibt", hatte Obama bei einem Besuch in Brüssel im März gewarnt.

Obama war am Morgen in Polen eingetroffen. Das Nachbarland der Ukraine ist die erste Station seiner Reise, die ihn auch zum G-7-Gipfel nach Brüssel und zu den Feiern zum 70. Jahrestag der Alliierten-Landung in der Normandie führt. Dem Nato-Verbündeten Polen hatte der Präsident bereits die Unterstützung der USA zugesichert. Die Verpflichtung für die Sicherheit Polens und der anderen US-Verbündeten in Ost- und Zentraleuropa sei "ein Eckpfeiler unserer eigenen Sicherheit" und "unantastbar", sagte er nach seiner Landung in Warschau.

"Waffenbrüderschaft" mit Polen

Im Beisein von Polens Präsidenten Bronislaw Komorowski war Obama vor zwei F16-Flieger der polnischen und US-amerikanischen Luftwaffe aufgetreten. "Wir stehen zu unseren Verpflichtungen", sagte er. Der polnische Präsident Bronislaw Komorowski sagte, die Sicherheit Polens und der gesamten Region sei in der Zusammenarbeit mit den USA "verwurzelt". Das zeige auch die Präsenz von US-Soldaten in Polen in der Ukraine-Krise.

Die USA hatten nach Beginn der Ukraine-Krise mehrere F16-Flugzeuge nach Polen geschickt. Seit gut einem Monat sind 150 US-Soldaten in dem Nato-Staat stationiert. "Für uns ist es enorm wichtig, dass die USA mit den F16 ihre Waffenbrüderschaft mit Polen zeigen", sagte Komorowski.

Kein Treffen mit Putin?

Obama will am Mittwoch in Warschau an den Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der ersten halbfreien Wahlen nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft teilnehmen und dabei mehrere Staats- und Regierungschefs aus Zentral- und Osteuropa treffen. Es sei eine besondere Ehre, bei den Feierlichkeiten "zur Wiedergeburt der polnischen Demokratie" dabei zu sein, sagte der Präsident in Warschau. Auch Bundespräsident Joachim Gauck und Frankreichs Präsident François Hollande wollen daran teilnehmen. In Warschau will Obama zudem den künftigen ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenkow treffen, der am Samstag vereidigt werden soll.

Anschließend reist Obama weiter zum Gipfel der sieben weltweit führenden Industriestaaten (G7) in Brüssel. Ursprünglich war das Treffen als G-8-Gipfel mit Russland im südrussischen Sotschi geplant worden. Wegen der Ukraine-Krise sagten die westlichen Staaten den Gipfel im G-8-Format aber ab und setzten die Zusammenarbeit in der G-8-Gruppe auf Regierungsebene aus.