Mutmaßliche Kämpfer der Extremistengruppe Boko Haram haben im unruhigen Nordosten Nigerias nach Angaben eines Behördenvertreters mehr als 60 Frauen und Mädchen entführt. Wie ein örtlicher Verantwortlicher sagte, verschleppten sie ihre Opfer in der vergangenen Woche bei Angriffen auf das Dorf Kummabza im Bundesstaat Borno.

Ein Anführer einer dortigen Bürgerwehr schilderte dies ähnlich. Nach eigenen Angaben überprüft das Militär in der Hauptstadt Abuja die Informationen.

Bei der Attacke in der Region Damboa waren in der vergangenen Woche nach Angaben von Augenzeugen mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen.

Die Extremistengruppe Boko Haram kämpft im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias für einen islamistischen Staat. Allein im laufenden Jahr starben mehr als 2.000 Menschen bei Angriffen. Mitte April hatten die Extremisten eine Schule in der Stadt Chibok im Bundesstaat Borno überfallen und 276 Schülerinnen verschleppt.

Mehr als 200 von ihnen werden noch immer an einem unbekannten Ort festgehalten. Boko Haram hatte gedroht, die meist christlichen Mädchen als Sklavinnen zu verkaufen.

Mehrere Staaten boten Nigeria an, bei der Suche zu helfen, darunter Frankreich und mehrere afrikanische Staaten. Durch entsprechende Zusammenarbeit der Geheimdienste und bessere Grenzkontrollen wollten sie Boko Haram bekämpfen. Die USA schickten 80 Soldaten in das Nachbarland Tschad.

Das nigerianische Militär behauptete im Mai, den Aufenthaltsort der im April Verschleppten zu kennen. Allerdings sehe man von einer gewaltsamen Befreiung ab, um das Leben der Geiseln nicht zu gefährden, hieß es. Zugleich veröffentlichte die Terrorgruppe ein Video, das angeblich die entführten Mädchen zeigt.