An dieser Stelle möchte ich mich verabschieden. Nicht sofort, aber nach zwei Jahren geht diese Kolumne bald zu Ende. Als außenstehender Beobachter lag es mir in dieser Zeit sehr am Herzen, den Deutschen einiges zu sagen, auf meine subtile Art, durch die Blume gewissermaßen. In der Hoffnung, sie würden auch manchmal auf einen Ami hören.

Falls aber jemand da draußen unaufmerksam war, möchte ich für die letzten vier Folgen meine gewohnte Zurückhaltung kurz ablegen und meine Top vier der Dinge, die ich den Deutschen ans Herz lege, noch einmal erklären.

Teil 1: Deutschland, mach Amerika platt!

Der erste Spruch, den ich über meine Heimat hörte, als ich in den Achtzigern hier ankam, war: "Alles Schlechte kommt aus Amerika." In den 30 Jahren seitdem verging kaum ein Tag, an dem ich nicht erfuhr, wie die USA bald zusammenbrechen würden, wie Amerika bald den dritten Weltkrieg auslösen würde, wie Deutschland nur eine Kolonie der USA sei und wie Amerika die deutsche Kultur und Moral ruiniere. Wildfremde Menschen – angezogen von meinem amerikanischen Akzent – halten mich auch heute noch auf der Straße an, um mich darüber zu informieren.

Wenn das wahr ist, sollte man doch endlich etwas dagegen tun! Put your money where your mouth is, wie wir Amis zu sagen pflegen:

Jagt das amerikanische Militär aus dem Lande, kauft amerikanische Firmen auf und schmeißt alle Amis, die ihr in die Finger kriegt, aus dem Land. Sammelt Verbündete in ganz Europa und in der arabischen Welt, bombardiert Washington und die Wall Street, marschiert ein und schenkt das Land wieder den Indianern. Die Geschichte wird es euch danken!

Falls die Deutschen dazu allerdings doch (noch) nicht bereit sind, habe ich eine Alternative: Lernt endlich, als selbstbewusste und gleichwertige Nation mit Amerika auf Augenhöhe zu leben. Und hört auf zu quengeln!

Natürlich ist eine gewisse Kritik an Amerika legitim – wie an jedem anderen Land der Welt. Im Falle Deutschlands ist sie außerdem therapeutisch notwendig: Nach zwei verheerenden Kriegen und einer langen, demütigenden Besatzung will dieses Volk endlich die moralische Hoheit über sich selbst zurückgewinnen. Dazu ist es hilfreich, den großen Bruder Amerika über die Jahre moralisch ein Stückchen kleiner zu machen. Erschwerend kommt hinzu, dass es den Deutschen ja seit 1945 verboten ist, stolz auf das eigene Land zu sein. Andere Länder herabzusetzen – das ist allerdings erlaubt. In diesem Sinne ist der deutsche Antiamerikanismus eine Art Patriotismus für Arme. Das alles ist verständlich.

Aber es gibt eine feine Grenze zwischen Kritik und Psychose. Leider haben viele Deutsche und auch einige Medien in puncto Antiamerikanismus diese Grenze längst überschritten. Alles wird genüsslich ausgeschlachtet. Man stelle sich das mal andersherum vor: In der New York Times wäre jeden Morgen zu lesen, dass die Deutschen wieder Ausländer abknallen, dass die Nazis wieder im Parlament sitzen, dass die Korruption in Deutschland selbst auf höchster Ebene außer Kontrolle geraten ist – da wäre ich als Ami nach ein paar Jahren kontinuierlichen Nachrichtenbombardements auch irgendwann soweit und sogar bereit, persönlich in Berlin einzumarschieren, um die Welt vor Deutschland zu retten.