Die seit mehr als zwei Wochen im Westjordanland vermissten israelischen Jugendlichen sind tot. Ihre Leichen seien unter einem Steinhaufen auf einem Feld in der Nähe von Hebron gefunden worden, berichtete das israelische Fernsehen. Schüler einer nahe gelegenen Feldschule, die sich an der breit angelegten Suchaktion beteiligt hatten, seien auf den Steinhaufen unter einem Gebüsch aufmerksam geworden.

Die israelische Armee bestätigte, nordwestlich von Hebron seien drei Leichen gefunden worden. Eine forensische Untersuchung müsse ihre Identität noch zweifelsfrei bestätigen. Die Familien der drei Jungen seien bereits informiert worden.

Israel beschuldigt die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas, hinter ihrer Entführung zu stehen. Die Jugendlichen seien offenbar schon kurz nach der Entführung erschossen worden, hieß es in dem Bericht. Die Jagd nach den mutmaßlichen Entführern dauere noch an. Der Geheimdienst hat zwei Hamas-Mitglieder als Tatverdächtige genannt.

Netanjahu: Hamas wird bezahlen

Nördlich der Stadt Hebron seien starke Truppenverbände im Einsatz, berichtete der israelische Rundfunk. Es sei zu Schusswechseln mit Palästinensern gekommen. Es sei auch im Gebiet der Kleinstadt Chalchul zu gewaltsamen Konfrontationen zwischen der Armee und Palästinensern gekommen, hieß es. Die Stadt Hebron wurde abgeriegelt.

"Die Hamas ist verantwortlich und die Hamas wird bezahlen", sagte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zu Beginn einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitskabinetts. Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri sagte in Gaza: "Die Besatzungsmacht (Israel) wird für jegliche Eskalation die Verantwortung tragen." Netanjahu wolle Hamas einschüchtern. Er müsse jedoch verstehen, "dass, wenn er Gaza den Krieg erklärt, sich für ihn das Tor zur Hölle öffnet".

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat eine Kooperation der Ermittler gefordert. Er hoffe, israelische und palästinensische Behörden würden zusammenarbeiten, um die Täter so rasch wie möglich zu fassen, sagte Ban. Der Mord sein ein heimtückischer Akt der Feinde des Friedens und solle den Konflikt vertiefen und Misstrauen verstärken. "Das darf keinen Erfolg haben", sagte Ban. "Es darf keine Rechtfertigung für die gezielte Tötung von Zivilisten geben."

US-Präsident Barack Obama hat die Ermordung der Jugendlichen auf das Schärfste verurteilt. Obama bezeichnete die Tat als "sinnlosen Terrorakt gegen unschuldige Jugendliche" und sprach den Familien der drei Teenager sein tiefstes Mitgefühl aus. Zudem sicherte er Israel und den Palästinensern die volle Unterstützung der USA zu, um die Täter zur Rechenschaft zu bringen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat "geschockt" auf die Nachricht vom Tod der drei Jugendlichen reagiert. "Es handelt sich um eine verabscheuenswürdige Tat, für die es keinerlei Entschuldigung geben kann", sagte Merkel in Berlin. Ihr Mitgefühl gelte den Familien und Freunden der Jugendlichen.

Rechtsorientierte israelische Abgeordnete forderten ein hartes Vorgehen gegen die Hamas. "Dieses tragische Ende muss auch das Ende der Hamas sein", sagte Danny Danon von der Regierungspartei Likud. Er forderte eine Militäroperation und einen "tödlichen Schlag" gegen die radikalislamische Palästinenserorganisation. Auch Parlamentspräsident Juli Edelstein (Likud) sagte: "Israel muss einen kompromisslosen Krieg gegen den Terror im Allgemeinen und speziell gegen die Hamas führen."    

Steinmeier plädiert für Wiederaufnahme der Friedensgespräche

Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas rief eine Dringlichkeitssitzung der Palästinenserführung für Dienstag ein. Dabei solle es um die Auswirkungen der jüngsten Entwicklungen gehen, berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa. Die gemäßigte Fatah von Abbas hatte Anfang Juni eine Einheitsregierung mit der Hamas gebildet. Israel hat ihn mehrmals zum Bruch mit der Hamas aufgefordert.

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte Israel zu einer Wiederaufnahme der Friedensgespräche mit den Palästinensern auf. Bei einem Besuch des israelischen Außenministers Avigdor Lieberman in Berlin bezeichnete Steinmeier die Lage im Nahen und Mittleren Osten als "besorgniserregend". "Ich hoffe, dass der Nahost-Friedensprozess nicht zu Ende ist", sagte Steinmeier. Zu einer Lösung am Verhandlungstisch gebe es keine Alternative.

Seit dem Verschwinden der Jugendlichen auf dem Heimweg am 12. Juni hat die israelische Armee während Razzien nach eigenen Angaben etwa 420 Palästinenser festgenommen, die meisten davon Hamas-Mitglieder.