Kurz nachdem der ukrainische Präsident Petro Poroschenko das Assoziierungsabkommen mit der EU unterschrieben hat, hat die Regierung in Moskau "ernste Konsequenzen" angekündigt. Die Folgen der Unterzeichnung für die Ukraine und Moldau würden "sicherlich ernst sein", sagte Russlands Vizeaußenminister Grigori Karasin. Man müsse sehen, wie man "Missverständnisse und Misstrauen" vermeiden könne. Gleichwohl räumte er ein, dass die Entscheidung über solch ernste Verträge das Recht eines jeden souveränen Staates seien. 

Russlands Präsident Wladimir Putin sagte, die Auseinandersetzungen um die politische Zukunft der Ukraine hätten zu einer tiefen Spaltung des Landes geführt. "Der verfassungswidrige Putsch in Kiew und die Versuche, die Ukrainer vor eine künstliche Wahl zwischen Europa und Russland zu stellen, haben zu einer Spaltung der Gesellschaft und einer schmerzvollen internen Konfrontation geführt". Weiter forderte Putin eine Verlängerung der Waffenruhe im Osten der Ukraine. "Es ist entscheidend, dass die Ukraine auf den Weg des Friedens, des Dialogs und der Versöhnung zurückfindet", sagte Putin.

Der russische Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow sagte laut Ria-Bericht: Russland werde Maßnahmen zum Schutz seiner Wirtschaft ergreifen, falls diese aufgrund der Abkommen Nachteile erleiden sollte.

Poroschenko hatte auf dem EU-Gipfel in Brüssel den Vertrag unterschrieben, der dem osteuropäischen Land stufenweise einen freien Zugang zum EU-Binnenmarkt eröffnen soll. "In den vergangenen Monaten hat die Ukraine den denkbar höchsten Preis gezahlt, um den europäischen Traum Wirklichkeit werden zu lassen", sagte Poroschenko während der Zeremonie. Er sprach vom wichtigsten Tag "seit der Unabhängigkeit der Ukraine". Das Abkommen mit der EU gebe seinem Land "eine vollkommen neue Perspektive". Poroschenkos Kollegen aus Georgien und Moldau setzten ihre Unterschriften unter ähnliche Abkommen.

EU will Probleme mit Russland klären

EU-Ratspräsident Van Rompuy sagte nach der Unterzeichnung: "Es gibt in diesen Abkommen und in der Haltung der EU dazu nichts, was Russland in irgendeiner Weise schaden könnte." Die EU sei bereit, mögliche Missverständnisse mit Russland aufzuklären.

Die Ukraine hatte das Assoziierungsabkommen bereits im vergangenen November unterzeichnen wollen, der damalige Präsident Viktor Janukowitsch stoppte das Vorhaben aber auf Druck aus Moskau. Die Kehrtwende löste die bis heute anhaltende politische Krise in der Ukraine aus, die im März zur Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland führte.

Ukraine bittet um spätere EU-Mitgliedschaft

Nach der Unterzeichnung des Abkommens erbat Poroschenko von der EU die Zusage einer späteren Mitgliedschaft, sofern sein Land alle Voraussetzungen erfülle. Er gab eine "einseitige Erklärung" ab: "Durch die Unterschrift unter das Abkommen mit der EU unterstreicht die Ukraine als europäischer Staat, der die gemeinsamen Werte von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit teilt, seine souveräne Entscheidung für eine künftige Mitgliedschaft in der EU." Die EU sei "mehr als ein exklusiver Club reicher Staaten".    

Georgiens Regierungschef Irakli Garibaschwili bezeichnete das Abkommen seines Landes mit der EU als "Blaupause für die europäische Integration Georgiens". Georgien wolle "ein volles Mitglied der europäischen Familie werden". Sein moldauischer Kollege Iurie Leanca sagte: "Wir wollen zur europäischen Familie gehören. Wir wissen, wie anspruchsvoll dieser Weg sein wird. Aber zweifeln Sie nicht an unserer Entschlossenheit."      

Die EU hat den drei Staaten bisher keine spätere Mitgliedschaft in Aussicht gestellt. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte: "Das ist nicht das Ende des Weges, sondern der Beginn einer Reise, auf die sich die EU und die drei Partner gemeinsam begeben." EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle sagte, der Beitrittswunsch der Ukraine sei legitim. "Es ist wichtig, dass Präsident Poroschenko diese einseitige Erklärung abgegeben hat."