Die Weltausstellung Expo kommt nach Mailand – in weniger als einem Jahr, am 1. Mai 2015, soll sie ihre Türen öffnen. Noch ist von den geplanten Gebäuden wenig zu sehen: Das Ausstellungsgelände ist eine Großbaustelle, auf der nur einige Rohbauten stehen. Dabei sollten die Bauarbeiten eigentlich diesen Juli abgeschlossen sein.

Der Präsident der Region Lombardei, Roberto Maroni, hat nun vor einigen Tagen die Befürchtung geäußert, die Bauarbeiten könnten erst Ende April 2015 – also gerade noch rechtzeitig zur Eröffnung – abgeschlossen sein. Ministerpräsident Matteo Renzi bezichtigte Maroni daraufhin der Polemik. Beide Seiten schieben sich gegenseitig die Schuld für die Verzögerung der Bauarbeiten zu. Dafür, dass die Expo in Mailand in einem Desaster enden könnte, will niemand die Verantwortung übernehmen. Und auch nicht für die brutta figura, die schlechte Figur, die Italien dann machen würde. Die Ursache für den schleppenden Bauvorgang liegt aber weder ausschließlich in Mailand noch ausschließlich in Rom. Sie betrifft den ganzen Staat.

Die Expo steht symptomatisch für das System der Vetternwirtschaft, das beherrscht wird von einer alten Riege aus Unternehmern und Politikern im Rentenalter, die von ihren Positionen nicht weichen wollen. In einer Umfrage der Europäischen Kommission, die im Februar erschien, gaben 97 Prozent der befragten Italiener an, dass Korruption in ihrem Land weit verbreitet ist. In den nationalen Medien wird über einen Korruptionsskandal nach dem anderen berichtet.

Auch der Name Berlusconi fällt

Auch die Expo hat bereits ihren Schmiergeldskandal. Öffentliche Aufträge, die im Rahmen der Weltausstellung ausgeschrieben wurden, wurden gegen Geld und Karrierehilfen, also an die Meistbietenden, vergeben. Sie bereicherten sich am öffentlichen Geld, kümmerten sich aber wenig um den Baufortschritt. So argumentieren die Staatsanwälte, die den Fall untersuchen. Anfang Mai wurden sieben Personen verhaftet, darunter Angelo Paris. Paris war einer der wichtigsten Manager der Expo 2015, zuständig für Bauarbeiten auf dem Gelände. Ebenfalls unter den Verhafteten sind Primo Greganti und Gianstefano Frigerio. Beide waren schon Anfang der Neunziger in den größten bisher bekannten Korruptionsskandal Italiens ("Tangentopoli"),  verwickelt. Sie haben beste Kontakte zu der alten politischen Elite – unter anderem zu Berlusconi. Auch sein Name fiel im Zuge der verpatzten Expo-Vorbereitungen. Ermittelt wird jedoch nicht gegen ihn.