IsisUN warnen vor einem neuen Golfkrieg

Die Vereinten Nationen befürchten, die Isis-Kämpfe im Irak und in Syrien könnten erst der Anfang sein. Es drohe eine Ausweitung der Irak-Kämpfe auf die Nachbarstaaten.

Irak Isis

Kräfte der kurdischen Peschmerga in der Stadt Tal Afar, Irak  |  © Emrah Yorulmaz/dpa

Die Vereinten Nationen warnen vor einer Ausweitung des Konflikts im Irak. Die Kämpfer der sunnitischen Islamistengruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) kontrollierten bereits den Nordirak und verübten Verbrechen an Zivilisten in Syrien, heißt es in einem in Genf veröffentlichten UN-Bericht zur Lage der Menschenrechte. "Wir stehen möglicherweise am Wendepunkt zu einem regionalen Krieg, und darüber sind wir sehr besorgt", sagte der Jurist Vitit Muntarbhorn, der an dem Bericht mitgewirkt hat.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, er sei "zutiefst besorgt über die sich rasch verschlechternde Sicherheitslage im Irak", darunter die Berichte über Massenhinrichtungen durch die Islamistengruppe. "Es gibt die echte Gefahr weiterer konfessioneller Gewalt in enormen Maßstab im Irak und jenseits seiner Grenzen." Alle Verantwortlichen müssten vor Gericht gebracht werden.

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Auch der irakischen Führung gab der UN-Generalsekretär eine Mitschuld an den Kämpfen: Legitimität komme nicht allein aus Wahlen, sondern auch aus guter Regierungsführung, der Achtung der Menschenrechte und der Einbindung aller Bevölkerungsgruppen, sagte Ban. Regierungen, die Menschenrechte missachteten, bildeten "den Nährboden für Extremismus und Terrorismus", sagte Ban.

Vertreter westlicher Staaten fordern seit Wochen, al-Maliki solle eine Regierung der nationalen Einheit bilden. In ihr sollten Sunniten und Kurden gleichberechtigt neben den Schiiten, die die Bevölkerungsmehrheit stellen, vertreten sind. Viele Sunniten, die unter dem Diktator Saddam Hussein Macht hatten, fühlen sich von der schiitischen Regierung unterdrückt.

44 Gefangene in Baakuba getötet

Isis-Kämpfer hatten vergangene Woche weite Gebiete im Nordirak in ihre Gewalt gebracht und rückten weiter Richtung Bagdad vor. Dabei fand die Gruppe auch Unterstützung bei gemäßigten Sunniten.    

In der Nacht zum Dienstag drang eine Gruppe Rebellen in die Stadt Baakuba ein und übernahm vorübergehend die Kontrolle über mehrere Viertel. Nach heftigen Gefechten sei es der irakischen Armee gelungen, die Islamisten zurückzuschlagen, wie ein Armeevertreter sagte. Während des Angriffs wurden in einer Polizeiwache 44 Gefangene getötet. Ob sie von den Rebellen ermordet oder von Sicherheitskräften bei einem Fluchtversuch getötet wurden, war unklar.

Im Nordirak konnten die Islamisten die Stadt Tal Afar einnehmen, sagte ein Provinzvertreter. Bei den Gefechten um die mehrheitlich schiitische Stadt, die auf einem strategisch wichtigen Korridor nach Syrien liegt, seien rund 50 Zivilisten sowie viele Rebellen und Sicherheitskräfte getötet worden. Nur noch der Flughafen werde von regierungstreuen Kräften gehalten.  

Der Regierungschef der Kurdengebiete im Irak, Neschirwan Barsani, mahnte eine politische Lösung des Konflikts an. Eine Rückkehr zur früheren Situation sei "fast unmöglich". Angesichts der Vorbehalte der Sunniten gegen al-Maliki schlug Barsani die Gründung einer autonomen Sunnitenregion nach dem Vorbild der Kurdengebiete vor.

USA entsendet Soldaten in den Irak

US-Präsident Barack Obama hatte am gestrigen Montag angekündigt, 275 Soldaten zum Schutz der Botschaft in Bagdad und der US-Bürger im Land zu entsenden. Die Stationierung der Soldaten, die auch "für Kampfeinsätze ausgerüstet" seien, habe am Sonntag begonnen. Das Weiße Haus teilte mit, die Einheiten würden bei der Verlegung von Botschaftspersonal von Bagdad in die Konsulate in Erbil und Basra sowie nach Amman in Jordanien helfen.  

Eine Rückkehr von Bodentruppen schließt Washington nach dem Abzug von Ende 2011 weiterhin aus, erwägt aber andere militärische Schritt wie Angriffe mit Drohnen oder Kampfflugzeugen.

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Leserkommentare
  1. sondern die Ausweitung des Syrien Krieges erleben wir momentan. Die ISIL ist zwar im Irak gegründet worden, aber erst im Syrien Konflikt ist sie zu einer Macht geworden. Sie konnte nicht nur durch Unterstützung der Golfstaaten provitieren, sondern auch von gut ausgebildeten FSA Kämpfern, die zunehmend die Nase voll hatten von korupten Vorgesetzten und schlechter Versorgungslage

    Die Ausweitung des Syrien Krieges auf den Lebanon ist bereits mit einer Reihe von Anschlägen im Gange und die Gründung eines ISIL Ablegers in Jordanien ist just diese Woche verkündet worden. Wenn die Türkei nun gegen die ISIL vorgeht, dann wird bestimmt auch ein türkischer ISIL Abgleger gegründet.

    Der rest der Welt wird dann bestimmt auch noch einen Ableger bekommen, wenn die ISIL die Al Quaeda übernimmt. Denn die AlQuaeda hat momentan ihren Anhängern keine Erfolge zu bieten und droht somit übernommen zu werden.

    2 Leserempfehlungen
    • Keneth
    • 17. Juni 2014 16:45 Uhr

    dass die Saudis diese ISIS finnazieren (s.a.. SZ von heute
    sollte Europa reagieren.
    Und alle Botschaften dieses Landes vorübergehend schliessen.

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    die sind doch der Stabilitätsanker im Mittleren Osten, haben Sie schon vergessen?

    Ohne Petrodolar und Öl würde die Wirtschaft ja nicht so gut funktionieren.

    Bei der Schließung von syrischen Botschafter bedüfte es nicht der Überlegung. Es ging ruckzuck.

    Die Saudis sind doch die Busenfreunde der USA.

  2. Seit 2001 versuchen die USA, den Greater Middle East in eine Anzahl von kleinen ethnisch homogenen Staaten zu spalten. Die Karte der neu gestalteten Umgebung wurde nach Angaben des amerikanischen Generalstabes, von Oberst Ralph Peters im Jahr 2006 veröffentlicht. ( http://en.wikipedia.org/w... ). Sie plant, den Irak in drei Teile aufzuspalten, in einen sunnitischen, einen schiitischen und einen kurdischen Staat. http://www.armedforcesjou...

    “Muss man mit einer Spaltung des Irak rechnen?

    Scholl-Latour: Die ist faktisch so gut wie vollzogen. Wir haben Kurdistan im Norden – wo sich dank der enormen Öl-Ressourcen ein eigener Staat konstituiert hat, der mit den Peschmerga über eine eigene Armee verfügt. Dann den Irak unter Führung al-Malikis und die enorm kampfstarken Isis-Leute, die einen großen Teil des Westirak beherrschen.“ http://www.merkur-online....

    Vollzogen in diesem Fall durch moderne Condottieri (Dschihadisten). Sollten die Ereignisse im Irak nicht auch in diesem Licht gesehen werden?

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    Gefangene westliche ISIS-Leute wurden im Frühjahr 2014 befreit: Darunter Deutsche, Briten, Dänen, Franzosen und Italiener. Erste Aussagen bestätigten die Informationen der syrischen Geheimdienste, dass ISIS von US-, saudi- und franz. Offizieren geführt wird. ( http://www.zeit.de/politi... )

    ISIS ("Daesh") wird von Abu Bakr al-Baghdadi kommandiert ( http://de.wikipedia.org/w... ), geleitet jedoch von Prinz Abdul Rahman al-Faisal (Bruder von Saudi-Minister für auswärtige Angelegenheiten und des Saudi-Botschafters in Washington) und von Prinz Turki al-Faisal (ehemaliger Direktor des Geheimdienstes und aktuelle Botschafter in Washington und London). Im Mai kaufte Saudi Arabien eine Waffenfabrik in der Ukraine. Von dort wurden die Waffen auf dem Luftweg zu einem türkischen Militär-Flughafen transportiert, von wo der MIT (Geheimdienst) sie über Sonderzüge ISIS zugeführt hat. Es gab bereits im Vorfeld Berichte über ukrainische Waffen, die man evtl. in Syrien den “Rebellen“ zukommen ließ ( http://www.spiegel.de/pol... ).

    http://www.globalresearch...

    auch unter Sadam war das schon der Fall, einfach weil sich die religiösen Strömungen nicht ausstehen können.
    nur wurden unter Sadam die Schiiten und die Kurden unterdrückt, nun sind die Sunniten halt auf der unterdrückten Seite.

    aber klar sie wissen es besser, die Amis warens ...

  3. Gefangene westliche ISIS-Leute wurden im Frühjahr 2014 befreit: Darunter Deutsche, Briten, Dänen, Franzosen und Italiener. Erste Aussagen bestätigten die Informationen der syrischen Geheimdienste, dass ISIS von US-, saudi- und franz. Offizieren geführt wird. ( http://www.zeit.de/politi... )

    ISIS ("Daesh") wird von Abu Bakr al-Baghdadi kommandiert ( http://de.wikipedia.org/w... ), geleitet jedoch von Prinz Abdul Rahman al-Faisal (Bruder von Saudi-Minister für auswärtige Angelegenheiten und des Saudi-Botschafters in Washington) und von Prinz Turki al-Faisal (ehemaliger Direktor des Geheimdienstes und aktuelle Botschafter in Washington und London). Im Mai kaufte Saudi Arabien eine Waffenfabrik in der Ukraine. Von dort wurden die Waffen auf dem Luftweg zu einem türkischen Militär-Flughafen transportiert, von wo der MIT (Geheimdienst) sie über Sonderzüge ISIS zugeführt hat. Es gab bereits im Vorfeld Berichte über ukrainische Waffen, die man evtl. in Syrien den “Rebellen“ zukommen ließ ( http://www.spiegel.de/pol... ).

    http://www.globalresearch...

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    ...eine schöne Hintergrundinformation. Während ich diesen Beitrag schreibe, sehe ich rechts unten den Artikel "Amerikas Albtraum ist zurück". Wäre dann ja nicht so. Auch diese angebliche "kurzsichtige" Politik, die man ja seit Jahren erkennen kann - auch aufgrund der sachlichen Analysen eines Peter Scholl-Latour, wäre passe und endlich zeigt sich etwas Struktur.Als Zivilist, egal ob Kind oder Erwachsener, muß man dort sehen das man weg geht. Die zurückbleibenden Menschen sind nur Opfer der aktuellen Politik und Intrigen. Und für die Menschen die unter den "Gesetzen" der Steinzeitislamisten leben müssen ist es die Hölle. Denn diese Leute bringen denen ja die "richtige" Lebensweise und kontrollieren die Durchsetzung - wobei sie sich selbst zweifellos auch mal nicht daran halten müssen. Privilegien nennt man das.

  4. Zitat: "Während des Angriffs wurden in einer Polizeiwache 44 Gefangene getötet. Ob sie von den Rebellen ermordet oder von Sicherheitskräften bei einem Fluchtversuch getötet wurden, war unklar."

    Das nenne ich mal ein wunderschönes Beispiel, wie man die Sprache zu einer tendenzieller Berichterstattung missbrauchen kann.: Die Rebellen "ermorden", die Sicherheitskräfte wehren Fluchtversuche ab. Bravo ZON !

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  5. ...eine schöne Hintergrundinformation. Während ich diesen Beitrag schreibe, sehe ich rechts unten den Artikel "Amerikas Albtraum ist zurück". Wäre dann ja nicht so. Auch diese angebliche "kurzsichtige" Politik, die man ja seit Jahren erkennen kann - auch aufgrund der sachlichen Analysen eines Peter Scholl-Latour, wäre passe und endlich zeigt sich etwas Struktur.Als Zivilist, egal ob Kind oder Erwachsener, muß man dort sehen das man weg geht. Die zurückbleibenden Menschen sind nur Opfer der aktuellen Politik und Intrigen. Und für die Menschen die unter den "Gesetzen" der Steinzeitislamisten leben müssen ist es die Hölle. Denn diese Leute bringen denen ja die "richtige" Lebensweise und kontrollieren die Durchsetzung - wobei sie sich selbst zweifellos auch mal nicht daran halten müssen. Privilegien nennt man das.

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  6. Das haben wir schon mehrmals erlebt (andere haben es nicht überlebt). Amerika will regieren, wo es nur geht. Ohne die lokalen/regionalen Kulturen und Mentalitäten zu verstehen. Gut ist erst, wenn überall McDonalds und Filialen amerikanischer Banken stehen. Dazu braucht Amerika all die Flugzeugträger und alles was dazu gehört. Normalerweise braucht ein Land, das sich nur notfalls verteidigen will, solche Waffen nicht.
    Damit die Konjunktur klappt (was für eine Scheisserfindung!), verkauft man jedes mögliche Gift und Waffe an jeden. Kurz danach hat man einen guten Grund, mal die von links, mal die von rechts zu bombardieren.
    Diese "Pax Americana" wird die Welt ruinieren. Es sei denn, eines Tages kommen Terroristen nach Washington in Massen. Dann ist Amerika ruiniert. Und die Welt ... leider auch.

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    Wo bleibt bei Ihnen die Verantwortung Al-Malikis und seiner Regierung?

    Wo der Beitrag der Türken, die ISIS bis vor kurzem einen sicheren Hafen boten?

    Wo der Beitrag der Golfstaaten, die extreme Gruppen finanzieren?

    Wo der Beitrag Irans, der die Regierung in Bagdad in ihrer sunnitenfeindlichen Politik bestärkt hat?

    Ihr Kommentar "glänzt" durch unredliche Einseitigkeit.

  7. Wo kommen die alle aufeinmal her?
    Woher das schwere Gerät?
    Wieso gibt es jetzt so ein Geschrei und eine Empörung über getötete Sicherheitskräfte, Zivilisten, Angestellte des Staates, religiös andersorientierte etc.?

    Es will doch nicht ernsthaft jemand behaupten, dass ISIS/L und Konsorten sich in den von ihnen kontrollierten Gebieten Syriens anders benommen hätten!
    Und es gibt Gebiete die die schon eine ganze Weile halten und auch noch halten werden! Wieso wird darüber sowenig berichtet? Jeder der sehnsüchtig auf den Sturz Assads wartet, sollte sich die Meldungen (aus dem Irak) gut durchlesen. Es ist leider davon auszugehen, dass noch so einige hässliche Dinge aus Syrien ans Licht kommen werden....

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    Saudi Arabien. Die denen wir die modernsten Militärmaschinen frei verkaufen, deren Bunker wir bauen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, sk
  • Schlagworte Bevölkerungsgruppe | Diplomat | Entführung | Gericht | Gewalt | Irak
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