Mit Videos und Fotos von Geiseln und Exekutionen dokumentieren die im Irak vorrückenden Islamisten ihre Taten im Internet. Bei Twitter und Youtube werden Dutzende Gefangene, Auspeitschungen und Erschießungen gezeigt – auf anderen Bildern jubelnde Iraker, die die Militärkonvois der Rebellen empfangen. Auch angebliche militärische Erfolge verbreitet die Terrorgruppe Isis: In der Nacht zum Sonntag seien sechs irakische Hubschrauber im Umland von Bagdad abgeschossen worden. "Die Jagdsaison ist eröffnet", schreibt ein Isis-Anhänger.

In der Nacht zu Sonntag sind auf Websites der Dschihadisten Fotos mit Massenhinrichtungen von Polizisten und Soldaten in Tikrit aufgetaucht. Schon seit Freitag kursiert ähnliches Bildmaterial im Netz. Die Gotteskrieger behaupten auf Twitter, sie hätten 1.700 Menschen erschossen. Zuvor hatte es bereits zwei Videos gegeben, die etwa 4.500 Männer zeigten, die in einer langen Kolonne in Gefangenschaft geführt wurden, ohne dass zunächst klar war, was mit ihnen geschehen würde.

Ein Foto zeigt eine Reihe gefesselter Männer in Zivilkleidung mit auf dem Rücken gefesselten Händen. Auf einem zweiten Bild werden die Männer auf Lastwagen geladen. Auf einem weiteren Foto ist zu sehen, wie die Männer gezwungen werden, sich in einer flachen Grube auf den Boden zu legen, während Kämpfer zuschauen. Dann wird gezeigt, wie die mit Sturmgewehren bewaffneten Islamisten offenbar in die Grube feuern.

Die Isis-Kämpfer scheinen sich vor allem in der westlichen Provinz Anbar und im Norden zwischen Mossul und Bagdad festgesetzt zu haben. Isis habe auf eine klassische Guerilla-Taktik im Irak verzichtet, berichtet die New York Times. Stattdessen hätten die Dschihadisten nach langer Vorbereitung eine Schneise ins Land getrieben. Mit der Kontrolle über die drei großen Autobahnen nördlich von Bagdad sei die Kurdenregion vom Rest des Iraks abgeschnitten. "Das könnte das Land endgültig zersplittern", analysiert die New York Times.

Isis rückt seit Anfang der Woche auf Bagdad vor und brachte mehrere Städte unter ihre Kontrolle, darunter die nördliche Millionenmetropole Mossul. Aus verschiedenen Richtungen wollen Isis-Kämpfer Bagdad umzingeln und in die Stadt vordringen. Nach UN-Angaben wurden bei Kämpfen in den vergangenen Tagen mehrere Hundert Zivilisten getötet und etwa 1.000 verletzt. Hunderttausende Iraker sind auf der Flucht.

Irakische Armee meldet Erfolge

Die Armee rückt nach eigenen Angaben näher an die von der Terrorgruppe Isis eroberte Millionenstadt Mossul heran. Wie die irakische Nachrichtenseite Al-Sumaria News unter Berufung auf das Militär berichtete, kämpften irakische Truppen gegen Isis-Milizen in der westirakischen Ortschaft Tall Afar. Im Kampf gegen die Dschihadisten hätten die irakischen Sicherheitskräfte nach Regierungsangaben binnen 24 Stunden 279 Aufständische getötet, sagte Generalleutnant Kassem Atta, der Sprecher für sicherheitspolitische Fragen von Ministerpräsident Nuri al-Maliki.

Bei einem Selbstmordanschlag in Bagdad wurden am Sonntag mindestens zehn Menschen getötet. Der Attentäter zündete nach Angaben von Polizisten und Ärzten der Nähe des Tahrir-Platzes eine Sprengstoffweste.