Die US-Regierung hat die internationale Gemeinschaft zum vereinten Kampf gegen die Bedrohung durch die Islamisten der Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis) aufgerufen. Außenamtssprecherin Jen Psaki sagte: "Die Strategie von Isis, ein Kalifat in der Region zu errichten, war absehbar. Deswegen ist jetzt der kritische Moment für die internationale Gemeinschaft gekommen, vereint gegen Isis und deren Vorrücken zu stehen."

Trotz der Gegenoffensive des irakischen Militärs hatte Isis am Sonntag einen islamischen Staat ausgerufen. Isis-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi erklärte sich zum Kalifen des Reiches, zu dem von Isis kontrollierte Gebiete im Irak und Syrien gehören. Sprecher Abu Mohammed al-Adnani rief in einer Audiobotschaft im Internet alle Menschen in dem sogenannten Kalifat auf, Al-Baghdadi Treue zu schwören. Ein Kalifat ist ein auf islamischen Gesetzen basierendes Staatswesen, in dem die weltliche und religiöse Führung in einer Hand liegen.

Die sunnitische Miliz kontrolliert einige Regionen im Bürgerkriegsland Syrien und ist seit Anfang Juni auch im Irak auf dem Vormarsch. Dort hat sie im Norden und Westen des Landes weite Teile eingenommen. Mit der Ausrufung eines Kalifats nimmt die Gruppe Bezug auf die islamischen Reiche in der Nachfolge des Propheten Muhammad. Das letzte Kalifat hatte die türkische Regierung 1924 nach dem Ende des Osmanischen Reiches abgeschafft.  

Obama warnt vor "Dschihad -Touristen"

US-Präsident Barack Obama hat bereits 180 von 300 Militärberatern in den Irak geschickt, die er zur Unterstützung der irakischen Truppen versprochen hatte. Die USA haben zudem bemannte und unbemannte Flugzeuge für Aufklärungsmissionen über dem Irak im Einsatz.

Obama warnte zudem vor "Dschihad-Touristen" in den USA: Europäer, die zum Kämpfen in die Region reisten, könnten auch eine Gefahr für die Sicherheit Amerikas darstellen. Die Islamisten sammelten in Syrien und nun im Irak Kampferfahrung, sagte er am Sonntag im Fernsehsender ABC-News. "Dann kommen sie zurück. Sie haben europäische Pässe. Sie brauchen kein Visum, um in die Vereinigten Staaten einzureisen", warnte Obama.

Es sei daher wichtig, dass die USA ihre Geheimdienst- und Überwachungsaktivitäten in der Region ausbauten. Spezialkommandos spielten eine große Rolle. "Und es wird Schläge gegen Organisationen geben, die uns gefährden könnten", sagte Obama.