Die Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und Großsyrien (Isis) soll ein Kalifat ausgerufen haben. Die Gruppe veröffentlichte im Internet eine Audiobotschaft, in der die Organisation diesen Schritt bekannt gab. Als Führer des islamischen Staates, ernannte Isis ihren Chef Abu Bakr al-Baghdadi zum Kalifen. Der Botschaft nach, deren Authentizität zunächst nicht überprüft werden konnte, soll er "Anführer aller Muslime" sein. Die Isis nannte sich zudem in "Islamischer Staat" um.  

Die sunnitischen Isis-Kämpfer kontrollieren einige Regionen im Bürgerkriegsland Syrien und sind seit Anfang Juni auch im Irak auf dem Vormarsch. Dort hat sie im Norden und Westen des Landes weite Teile eingenommen.

Erklärtes Ziel der Miliz ist der Marsch auf Bagdad und die Errichtung eines grenzüberschreitenden Kalifats, in dem die weltliche und religiöse Führung in einer Hand liegt. Damit nimmt die Gruppe Bezug auf die islamischen Reiche in der Nachfolge des Propheten Mohammed. Das letzte Kalifat hatte die türkische Regierung 1924 nach dem Ende des Osmanischen Reiches abgeschafft.

Kampf um Vormachtstellung

Isis war ursprünglich ein Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida. In diesem Frühjahr kam es jedoch zum Bruch. Nach Einschätzung von Experten kämpfen beide Gruppen nun um die Vormachtstellung in der Dschihad-Bewegung.

Vor allem schiitische Gruppen haben Isis den Kampf angesagt, ebenso die irakische Regierung um Ministerpräsident Nuri al-Maliki. Die US-Regierung hatte vergeblich versucht, al-Maliki dazu zu bewegen, eine Regierung der nationalen Einheit zu bilden, bei der auch Sunniten größeren Einfluss gewonnen hätten.

Aber auch Sunniten hatten sich der irakischen Regierung angeschlossen, um gegen Isis zu kämpfen. Laut dem arabischen Nachrichtensender Al Jazeera müssten jedoch alle Sunniten dem Kalifen folgen. Fraglich ist, ob sie den selbst ernannten Kalifen Abu Bakr anerkennen.