Russlands Präsident Wladimir Putin hat nach dem Treffen mit dem designierten ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko ein Ende des Militäreinsatzes in der Ostukraine gefordert. "Diese Operation sollte sofort beendet werden. Es sollte umgehend eine Waffenruhe eintreten", sagte Putin der Agentur Interfax zufolge im französischen Ort Deauville. Erst dann könne ein Verhandlungsprozess beginnen, sagte Putin. Dies habe er auch seinen Gesprächspartnern am Rande der Feiern zum 70. Jahrestag der Truppenlandung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg in der Normandie gesagt. Putin hatte auch Kanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama getroffen.

Ukraines neuem Regierungschef Poroschenko bescheinigte Putin eine richtige Strategie zur Beilegung des Konflikts in dessen Land. "Der Ansatz erscheint mir insgesamt richtig, er hat mir gefallen", sagte Putin im russischen Fernsehen während seines Besuchs in Frankreich. Putin und Poroschenko trafen zum ersten Mal zusammen, seit dieser am 25. Mai die Wahlen gewonnen hatte.

Putin sieht allerdings nicht sein eigenes Land, sondern die Ukraine unter Zugzwang: "Die Ukraine muss ihren guten Willen demonstrieren", sagte er. "Die repressive Operation muss ein Ende haben." Auch die Gespräche mit den anderen Staats- und Regierungschefs am Rande der Gedenkzeremonie hätten zu einem "sehr positiven Meinungsaustausch" geführt. Mit US-Präsident Barack Obama habe er sich sogar gleich zwei Mal "auf recht gehaltvolle Weise" unterhalten. Nach außen wirkte der Umgang der beiden Staatschef eher frostig.

Zu den Verhandlungen zwischen dem russischen Energieriesen Gazprom und dem staatlichen ukrainischen Naftogaz-Konzern sagte Putin im Fernsehen: "Nein, ich habe nicht mit Poroschenko über Gaspreise gesprochen. Aber ich weiß, dass Gazprom und sein ukrainisches Pendant nah an einem endgültigen Deal sind." Poroschenko begrüßte seinerseits die Aufnahme eines Dialogs mit Putin und sagte im ukrainischen Fernsehen, es gebe "gute Chancen", dass er zu einer Lösung der Krise führen werde. Zugleich sagte er, Putins Reaktion auf die Frage der Krim sei "nicht angenehm" gewesen.