Im Irak sind nach Angaben der Vereinten Nationen seit Monatsbeginn mehr als 1.000 Menschen getötet worden. Vom 5. bis zum 22. Juni habe es mindestens 1.075 Todesopfer und 658 Verletzte gegeben, sagte ein Sprecher des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, Rupert Colville, in Genf. 

Alleine in den drei Provinzen Ninive, Dijala und Salaheddin seien binnen 17 Tagen 757 Menschen der Gewalt zum Opfer gefallen und 599 Menschen verletzt worden, sagte Colville. In Bagdad und im Südirak habe es mindestens 318 weitere Todesopfer gegeben.

Seit dem 9. Juni haben Kämpfer der sunnitischen Dschihadistenorganisation Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis) und verbündete Extremisten weite Teile im Norden und Westen des Iraks erobert und Hunderttausende Menschen in die Flucht getrieben.


Kerry droht Isis mit Militärschlägen

Angesichts der Eskalation im Irak hat US-Außenminister Kerry die Bereitschaft der USA zu einem militärischen Eingreifen in den Konflikt bekräftigt. Bei einem Besuch in Bagdad machte er klar, dass die USA angesichts des Vormarsches der Isis auch vor Abschluss einer Regierungsbildung im Irak zu Militärschlägen bereit sind. Präsident Barack Obama werde sich nicht davon abhalten lassen, dass das neue Kabinett noch nicht stehe, sagte Kerry nach Angaben seines Ministeriums in Bagdad. 

Kerry ist seit Montag im Irak unterwegs, um für die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit zu werben. Am Dienstag traf er sich mit der Führung der Kurden im Irak, um diese von der Beteiligung an einer solchen Regierung zu überzeugen. Tags zuvor hatte er in Bagdad Ministerpräsident Nuri al-Maliki dazu aufgefordert, alle ethnischen Gruppen des Landes an der neuen Regierung zu beteiligen. 

Al-Maliki steht seit Langem in der Kritik, weil seine von Schiiten dominierte Regierung die sunnitische Minderheit im Irak benachteiligt. Der Regierungschef lehnt einen Rücktritt jedoch ab. Laut dem Nachrichtenportal Al-Sumaria sagte er beim Treffen mit Kerry, die stärkste politische Kraft im Land müsse die nächste Regierung bilden. Al-Maliki war aus den Parlamentswahlen im Mai mit seiner Rechtsstaatsallianz als Sieger hervorgegangen.