Im Osten der Ukraine endet am Abend die Waffenruhe. Präsident Petro Poroschenko hatte sie am Freitag um 72 Stunden verlängert, seitdem wurde sie jedoch mehrfach gebrochen – wofür sich prorussische Separatisten und die ukrainische Armee gegenseitig verantwortlich gemacht haben. Russland fordert nun eine abermalige Verlängerung des Waffenstillstands, damit der Friedensplan umgesetzt werden könne. 

Die Aufständischen hatten am Wochenende – unter Mitwirken Russlands – weiter zur Entspannung beigetragen: Sie hatten die letzten verschleppten Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) freigelassen, darunter eine Deutsche. Im Gegenzug haben die Separatisten Forderungen gestellt: Die selbst ernannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk verlangen als Vorbedingung für einen Friedensdialog mit der Regierung in Kiew den Abzug aller Regierungstruppen aus der Ostukraine.

Russlands Präsident Wladimir Putin forderte in einem Telefonat mit Kanzlerin Angela Merkel, dem französischen Staatschef François Hollande und Poroschenko eine Verlängerung der Waffenruhe, die gleich für eine längere Zeit ausgerufen werden solle.

Am heutigen Montag soll es weitere Gespräche geben: Poroschenko will in einem erneuten Krisentelefonat mit Merkel, Putin und Hollande die nächsten Schritte besprechen. Am Sonntag hatten die Politiker auch über eine mögliche OSZE-Mission zur Kontrolle der ukrainisch-russischen Grenzübergänge gesprochen, um den Nachschub von Waffen und Kämpfern in die Krisenregion zu stoppen.

Tausende demonstrieren für Militäreinsatz in der Ostukraine

Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union hatten Russland am Freitag ein Ultimatum gestellt. Bei ihrem Gipfeltreffen hieß es in einer Erklärung, die Moskauer Regierung müsse zeigen, dass sie es ernst meine mit der Entspannung in der Ostukraine. Russland müsse "substanzielle Verhandlungen" über Poroschenkos Friedensplan aufnehmen, anderenfalls werde die EU neue Sanktionen gegen Moskau beschließen.

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew demonstrierten hingegen Tausende dafür, die Militäroffensive wieder aufzunehmen und das Kriegsrecht auszurufen. Unter den Demonstranten waren auch Angehörige freiwilliger Kampfverbände. Viele Ukrainer werfen Poroschenko vor, dass die am 20. Juni ausgerufene Feuerpause keine greifbaren Erfolge gebracht hat.

Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge wurden seit Mitte April bis zum 20. Juni mindestens 423 Menschen im Ukraine-Konflikt getötet, darunter sowohl Soldaten als auch Zivilisten.