Eine Woche nach dem mutmaßlichen Abschuss der malaysischen Passagiermaschine MH17 hat Russland die Ukraine und die USA zur Veröffentlichung ihrer Beweise aufgefordert. Es gebe bisher keinen einzigen Beleg für die behauptete Beteiligung der prorussischen Separatisten am Absturz der Boeing, kritisierte Russlands Vize-Verteidigungsminister Anatoli Antonow.

Es werde zwar immer wieder auf Erkenntnisse der US-Geheimdienste und auf Satellitenfotos verwiesen, die einen Raketenstart von dem Konfliktgebiet aus belegen sollen, sagte Antonow. "Aber wo sind diese Beweise?", fragte der Militärfunktionär im russischen Staatsfernsehen. Die Ukraine gibt Russland die Schuld an dem Absturz, die USA haben den Separatisten den Abschuss vorgeworfen. 

Russland hatte kritisiert, dass unmittelbar nach dem Absturz die Ukraine ihre Version von dem Abschuss durch Separatisten präsentiert habe, ohne die internationale Untersuchung abzuwarten. Besonders wertvoll für die Ermittler seien die Gespräche der ukrainischen Fluglotsen mit der Boeing-Crew, sagte der frühere Kommandeur der russischen Luftstreitkräfte, Alexander Maslow, der Agentur Interfax. Die ukrainische Seite halte diese Aufnahmen aber unter Verschluss. "Warum fordert niemand außer Russland die sofortige Herausgabe?", fragte Maslow.

Rebellenführer bestreitet Buk-Besitz

Ein Kommandeur der Separatisten im Konfliktgebiet wies zudem einen Bericht zurück, laut dem die prorussischen Kräfte im Besitz des Flugabwehrsystems Buk gewesen seien. "Ich habe keine Kenntnis davon, dass die Aufständischen eine solche Waffe besitzen", sagte Alexander Chodakowski im Interview des Staatsfernsehsenders Russia Today. Er bestätigte, dass er mit einem Journalisten eines westlichen Mediums verschiedene Möglichkeiten für den Abschuss von MH17 durchgesprochen habe.

Bei dem auf Video aufgezeichneten Gespräch habe es allerdings einen "roten Faden" gegeben mit der Aussage, dass er den Buk-Einsatz nicht bezeugen könne, sagte Chodakowski. Andere Separatistenführer teilten erneut mit, dass sie kein solches Waffensystem genutzt hätten.

Die Separatisten hatten sich bereits im Juni damit gebrüstet, ein ukrainisches Buk-System erbeutet zu haben. Allerdings erklärten sie nach dem Abschuss der Boeing 777-200 am vergangenen Donnerstag, dass die Anlage nicht funktionstüchtig gewesen sei.

Russland dementiert Kampfjet-Abschuss

Auch beim Abschuss der zwei ukrainischen Kampfflugzeuge fühlt sich Russland ungerecht behandelt: Nach Darstellung der Regierung in Moskau sind die Raketen nicht von russischem Territorium aus abgeschossen worden. Das Verteidigungsministerium erklärte nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax, es handele sich um "Fantasien der Kiewer Behörden". Der ukrainische Sicherheitsrat hatte mitgeteilt, die beiden Kampfflugzeuge über der Ostukraine seien durch Raketen abgeschossen worden, die in Russland abgefeuert worden seien. Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine hatten sich zu den Abschüssen bekannt.  

Die Kampfflieger vom Typ Su-25 seien in einer Höhe von 5.200 Metern unterwegs gewesen, teilte das Verteidigungsministerium in Kiew mit. Die Piloten der Kampfjets konnten sich nach Angaben eines Militärsprechers mit dem Schleudersitz retten.

Die ukrainische Regierung beschuldigt  Russland, die Separatisten mit schweren Waffen zu versorgen. Zudem hat sie den russischen Streitkräften bereits mehrfach direkte Eingriffe in den Konflikt vorgeworfen – was Russland zurückweist.