Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat das brutale Vorgehen der Dschihadisten-Gruppe Islamischer Staat im Irak (Isis) verurteilt. "Entführungen und die Tötung Gefangener scheinen zu den gängigen Vorgehensweisen der Gruppe zu gehören, um Gegner zu vernichten und Zivilisten einzuschüchtern", teilte die Organisation mit.

Die Zivilbevölkerung sei gefangen in einer Spirale religiöser Gewalt, sagte Amnesty-Expertin Donatella Rovera, die sich persönlich ein Bild von der Lage gemacht hatte. Hunderttausende Iraker seien wegen der Gräueltaten der Isis-Kämpfer sowie der zunehmenden Gefahr durch Luftangriffe der Regierungstruppen auf der Flucht. Aus jeder Stadt und Ortschaft unter Kontrolle der Dschihadisten seien Entführungen gemeldet worden. Einige Opfer seien tot aufgefunden worden, andere würden noch vermisst.

Von Einwohnern, die aus den belagerten Gebieten geflohen seien, lägen "erschütternde" Berichte vor. Die Organisation schilderte unter anderem das Schicksal eines 18-Jährigen, der zusammen mit seinem Onkel östlich von Mossul verschleppt wurde. Die Mutter des jungen Mannes fand die Leichen der beiden Entführten zwei Tage später. Die Männer wurden mit gefesselten Händen und zerschmetterten Köpfen gefunden. Einem der beiden wurde laut Amnesty die Kehle durchgeschnitten. Die Familie floh daraufhin aus der Region.

Solche Angriffe auf Zivilisten seien "eine klare Botschaft an nicht-sunnitische Gemeinschaften", dass sie in den Einflussgebieten der sunnitischen Extremisten nicht sicher seien, sagte Amnesty-Mitarbeiterin Rovera. Die Menschenrechtsorganisation kritisierte auch die wahllosen Angriffe der irakischen Armee mit Artillerie und aus der Luft, denen ebenfalls Dutzende Zivilisten zum Opfer gefallen seien. Alle Seiten in dem Konflikt hätten in einer Gewaltspirale Kriegsverbrechen begangen und massiv gegen die Menschenrechte verstoßen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte irakischen Sicherheitskräften und regierungsnahen Milizen am Freitag Massenexekutionen von sunnitischen Häftlingen vorgeworfen.

Islamisten hatten unter dem Namen Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis) vor einem Monat eine Militäroffensive im Irak gestartet. Nach ihrem Vormarsch im Norden und Westen des Iraks sowie Geländegewinnen in Syrien riefen sie Ende Juni einen grenzüberschreitenden islamischen Gottesstaat aus und benannten sich um. Am Wochenende rückten die Kämpfer weiter auf die Hauptstadt Bagdad vor. Sie eroberten nach Angaben örtlicher Behörden große Teile der 80 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Stadt Dhuluidscha.