Tony Blair will angeblich Abdel Fatah al-Sissi in Wirtschaftsfragen beraten. Das bestätigte eine Sprecherin des ehemaligen britischen Premierministers laut Guardian. Demnach wird Blair Ägypten bei der Umsetzung von wirtschaftlichen Reformen und der Gewinnung von internationalen Investoren behilflich sein.

Das damit verbundene Programm wird von den Vereinigten Arabischen Emiraten finanziert. Es wird von der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers durchgeführt und hat zum Ziel, internationale Investoren für Ägypten zu gewinnen. Den Teilnehmern versprechen die Verantwortlichen lukrative Geschäftsmöglichkeiten. Beobachter sehen in der Struktur des Programms die Anlage zu einer Schattenregierung mit erheblichem Einfluss auf Ägyptens Politik.         

Auch aus diesem Grund wird Blairs beratende Rolle in Großbritannien skeptisch gesehen. Die Tätigkeit könnte den ehemaligen Premierminister "schwer beschädigen", zitiert der Guardian einen langen politischen Weggefährten. "Er gräbt sich und allen, die mit ihm zu tun haben, ein immer tieferes Loch." Für Blair verbinde sich in der neuen Aufgabe sein existentieller Kampf gegen Islamismus mit Geschäftsmöglichkeiten und der Anwaltschaft für eine Sache, wie er sie schon für George W. Bush im Irakkrieg geleistet habe.

Blair lässt Vorwürfe zurückweisen

Eine Sprecherin des ehemaligen Premiers dementierte die Vorwürfe. "Tony Blair ist nicht ein formeller Berater Sissis", sagte sie. Blair habe lediglich erklärt, dass es entscheidend für Ägypten, die Region und die gesamte Welt sei, dass der neue Präsident und seine Regierung ihr Land erfolgreich reformieren. Das habe nichts mit wirtschaftlichen Möglichkeiten zu tun. "Weder Tony Blair noch eine seiner Organisationen hat irgendwelche wirtschaftlichen Interessen in Ägypten", sagte sie weiter.

Al-Sissis Regierung steht wegen zahlreicher Menschenrechtsverletzungen in der Kritik. Journalisten und Anhänger der Muslimbrüder wurden verhaftet und mit drakonischen Strafen abgeurteilt. Hunderten droht die Todesstrafe. Menschenrechtsgruppen berichten von unmenschlichen Zuständen in den Gefängnissen und von Folter.

Blair hatte sich im ägyptischen Konflikt zwischen den Muslimbrüdern und dem säkularen Feldmarschall Abdel Fatah al-Sissi frühzeitig auf die Seite des Militärs geschlagen. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung identifizierte er die Muslimbrüder als "Feinde des Westens" und bezeichnete die Absetzung des gewählten Präsidenten Mohammed Mursi als "absolute Notwendigkeit zur Rettung der Nation" – eine Sicht, die auch auf der arabischen Halbinsel geteilt wurde.