In Nigeria sind mehr als 60 im Juni von der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram verschleppte Mädchen und Frauen ihren Entführern entkommen. Dies bestätigten Kommunalpolitiker im Nordosten des Landes. 63 von insgesamt 68 Geiseln konnten sich demnach selbst aus den Händen der Terroristen befreien, als diese in Kämpfe mit Soldaten verwickelt waren.  

Am Freitag war es in der Stadt Damboa zu heftigen Gefechten zwischen den Islamisten und der Armee gekommen, bei denen nach Militärangaben mehr als 50 Rebellen sowie sechs Soldaten getötet wurden. Die wenigen zurückgebliebenen Wächter seien offenbar eingeschlafen, sodass die Geiseln fliehen konnten, schrieben Medien.

Die Frauen und Mädchen waren vor zwei Wochen von Kämpfern der Boko Haram verschleppt worden. Zwischen fünf und sieben von ihnen sollen sich noch in der Gewalt der Extremisten befinden. Augenzeugen hatten die Massenentführung beobachtet und öffentlich gemacht. Die nigerianische Regierung hatte dagegen bestritten, dass es nach der Entführung von mehr als 200 Schulmädchen Mitte April schon wieder zu einem ähnlichen Fall gekommen war. Von den damals 276 verschleppten Mädchen gelten immer noch 219 als vermisst.

In der Hauptstadt Abuja versuchten am Sonntag Aktivisten der Gruppe Bring Back Our Girls (Bringt unsere Mädchen zurück), mit einem Protestmarsch vor den Präsidentschaftspalast die Regierung zur Ausweitung ihrer Suche zu drängen. Sicherheitskräfte stoppten die Demonstranten aber.

Seit 2009 verüben Boko-Haram-Extremisten immer wieder Anschläge auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Kirchen, Schulen und Lokale. Seit Jahresbeginn fielen der Gewalt mehrere Tausend Menschen zum Opfer. Die radikalislamische Sekte kämpft für einen islamischen Gottesstaat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias.