Zerstörtes Dorf in der Ostukraine © Reuters/ Gleb Garanich

Die Bundesregierung stellt der Ukraine 3,5 Millionen Euro Aufbauhilfe zur Verfügung. Ressortchef Frank-Walter Steinmeier habe entschieden, die humanitäre Hilfe für die Ex-Sowjetrepublik um 2,5 Millionen Euro zu erhöhen, teilte das Außenministerium mit. Das Geld soll vor allem den Städten Slowjansk und Kramatorsk zugute kommen, die von der Armee im Kampf gegen Separatisten kürzlich zurückerobert wurden.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko bedankte sich: "Wir nehmen dies nicht nur als finanzielle Entscheidung wahr, sondern auch als sehr wichtige moralische Unterstützung vonseiten der Länder der Europäischen Union", betonte der Staatschef in Kiew. Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande hatten am Mittwoch erneut mit ihm gesprochen. Thema des Telefonats war nach Angaben des Élysée die aktuelle Situation in der Ostukraine nach dem teilweisen Rückzug der Separatisten. Merkel und Hollande hätten sich besorgt über die Lage der Zivilbevölkerung gezeigt und auf die Notwendigkeit militärischer Zurückhaltung verwiesen.

Sie appellierten auch an die russische Seite, Druck auf die Separatisten auszuüben für Verhandlungen und die wirksame Kontrolle der russisch-ukrainischen Grenze. Beide Politiker kündigten an, dazu in den kommenden Tagen erneut auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu kontaktieren. Medien in Kiew spekulierten, ob es an diesem Sonntag in Rio de Janeiro zu einer Unterredung zwischen Merkel und Wladimir Putin kommen könnte. Beide reisen zum Finale der Fußball-WM nach Brasilien. Russland soll die nächste WM 2018 ausrichten. Merkel und Putin hatten in den vergangenen Wochen mehrfach telefonisch über die Krise in der Ukraine gesprochen.

Der seit Monaten andauernde bewaffnete Konflikt stelle die Führung in Kiew auch finanziell vor enorme Probleme, räumte der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk ein. Für erste Infrastrukturprojekte im Raum Donezk und Luhansk benötige die Regierung umgerechnet rund 500 Millionen Euro. "Es ist unklar, woher wir dieses Geld nehmen", sagte Jazenjuk. Die Ukraine erhält schon Milliarden von der EU und dem Internationalem Währungsfonds.

Unterdessen will die Europäische Union will im Ukraine-Konflikt offenbar elf weitere Namen auf ihre Sanktionsliste setzen. Wie aus Brüssel verlautete, einigten sich die Botschafter der 28 Mitgliedsstaaten auf ein entsprechendes Vorabkommen, das in den kommenden Tagen veröffentlicht werden soll. Einer anderen Quelle zufolge sollen die Namen von elf prorussischen Separatisten auf die Sanktionsliste gesetzt werden. Betroffen von Vermögens- und Einreisesperren sind bereits 61 russische und ukrainische Vertreter.