Der französische Premierminister Manuel Valls hat die antijüdischen Ausschreitungen in Pariser Vororten als eine "neue Art des Antisemitismus" verurteilt. Diese breite sich nach seinen Worten unter den Jugendlichen in Arbeitervierteln aus. Innenminister Bernard Cazeneuve sagte bei einem Ortsbesuch am Montagmorgen: "Wer eine Synagoge schändet oder eine Bäckerei anzündet, weil sie einem Juden gehört, begeht eine antisemitische Tat."

Bei Protesten gegen die israelische Offensive im Gazastreifen war es am Sonntag in Frankreich abermals zu Krawallen gekommen. Jugendliche griffen in Paris zwei Synagogen an, setzen Autos in Brand, plünderten Läden und schleuderten Steine auf Polizisten. Die Polizei ging mit Tränengas und Gummigeschossen gegen die Randalierer vor.

Zu den Auseinandersetzungen kam es in den Vororten Sarcelles und Garges-lès-Gonesse. In Garges-lès-Gonesse seien sogar Molotowcocktails auf eine Synagoge geworfen worden, teilte der jüdische Dachverband CRIF mit. Ein kleiner Brand sei jedoch schnell gelöscht worden. CRIF machte "fanatische Gruppen" für die Übergriffe verantwortlich und warnte, dass die antisemitische Gewalt jeden Tag zunehme.

In Sarcelles lösten sich mehrere Hundert Randalierer aus einer friedlichen Kundgebung, zündeten Rauchbomben sowie Feuerwerkskörper und plünderten Geschäfte – darunter mindestens eines, das koschere Lebensmittel verkauft. Auch Autos und Mülltonnen wurden in Brand gesteckt. Dutzende jüdische Jugendliche – einige von ihnen mit Eisenstangen bewaffnet – bildeten eine Menschenkette um eine Synagoge, um diese zu "schützen", wie sie sagten. Auch die Polizei marschierte auf und nahm insgesamt 18 Verdächtige fest.

Bereits am Samstag war es bei einer Kundgebung in einem Einwandererviertel von Paris zu Unruhen gekommen. Der Aufmarsch war ebenso wie der am Sonntag von den Behörden verboten worden. Die Pro-Palästina-Demonstranten kündigten unterdessen weitere Proteste an.

Frankreich hat die größte muslimische und jüdische Bevölkerung aller westeuropäischer Staaten. Der betroffene Ort Sarcelles wird in dem Land wegen seiner vielen jüdischen Einwohner auch "Klein-Jerusalem" genannt. Krisen im Nahen Osten führen in Frankreich immer wieder zu Auseinandersetzungen.