Die israelische Armee hat im Gazastreifen den östlichen Stadtteil Schedschaia mit Panzern unter massiven Beschuss genommen. Tausende Palästinenser flohen, viele von ihnen zu Fuß. Auf den Straßen lagen zahlreiche Leichen.

Krankenwagen konnten zunächst nicht in das Gebiet gelangen. Rettungskräfte sagten, offenbar seien viele Verletzte wegen der Angriffe eingekesselt. Mindestens 40 Tote seien in Schedschaia geborgen worden, es soll 400 Verletzte geben. Unter den Todesopfern seien auch ein Journalist und ein Sanitäter. Es ist der Angriff mit den meisten Todesopfern seit Beginn der israelischen Offensive im Gazastreifen. 

Augenzeugen berichteten von dramatischen Szenen in hoffnungslos überfüllten Krankenhäusern im Gazastreifen. Bei einem Luftangriff auf das Haus eines hochrangigen Vertreters der radikal-islamischen Hamas wurden Krankenhausmitarbeitern zufolge dessen Sohn, Schwiegertochter und zwei Kinder getötet.

Die israelische Offensive im Gazastreifen hat die ohnehin schwierige Situation für Zivilisten weiter verschärft. Palästinensische Ärzte beklagen einen Mangel an Medikamenten und Ausrüstung bei der Behandlung der vielen Opfer. Seit Beginn der Luftangriffe seien mehr als 350 Menschen in Gaza gestorben, melden die palästinensischen Rettungskräfte.

Hamas setzt Raketenbeschuss fort

Auch die Hamas setzte ihren Raketenbeschuss auf Israel fort. In mehreren Orten unweit vom Gazastreifen warnten Sirenen die Bewohner. Der Raketenbeschuss sei aber etwas schwächer geworden sagte ein israelischer Militärsprecher. Die radikal-islamische Hamas verfüge jedoch weiterhin über etwa 5.000 Raketen verschiedener Reichweite.

Israel hatte seine Bodenoffensive am Donnerstag gestartet, nachdem sie zehn Tage lang aus der Luft und vom Meer aus den Gazastreifen bombardiert hatte. Als Ziel hat die Regierung in Jerusalem vorgegeben, den Beschuss Israels mit Raketen zu stoppen und ein weit verzweigtes Tunnelnetzwerk der Extremisten zu zerstören.

Hamas-Tunnel sollen gesprengt werden

Dafür will Israels Armee ihre Offensive ausweiten. "Wir haben mehr Soldaten in größeren Gebieten im Einsatz", sagte ein Militärsprecher. Mehr als 70 islamistische Kämpfer seien getötet worden, fünf israelische Soldaten seien umgekommen.

Bei Israels Suche nach Tunneleingängen im Gazastreifen leiste die Hamas heftigen Widerstand. Bislang seien 14 Tunnel mit 36 Zugangspunkten gefunden worden. Sie sollten nach gründlicher Untersuchung mit Sprengstoff zum Einstürzen gebracht werden. "Einige dieser Tunnel sind eigentlich Bunker", sagte der israelische Militärsprecher.

Am Sonntag will UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in Katar Palästinenserpräsident Mahmud Abbas treffen, um über eine Waffenruhe zu sprechen. Anschließend sei ein Treffen zwischen Abbas und Hamas-Anführer Chaled Meschaal vorgesehen, sagte ein Vertreter Katars. Die Hamas kontrolliert den Gazastreifen, Abbas regiert im Westjordanland.