Die radikalislamische Hamas hat Bewohner des Gazastreifens dazu aufgerufen, sich bei israelischen Luftangriffen als menschliche Schutzschilde zu postieren. Das Innenministerium in Gaza warnte die Palästinenser außerdem davor, ihre Häuser nach anonymen Warnungen zu verlassen. Gewöhnlich kündigt die israelische Armee ihre Angriffe telefonisch an, um zivile Opfer zu vermeiden.

In einem Fernsehauftritt lobte ein Hamas-Sprecher jene Palästinenser, die kurz vor einem israelischen Angriff auf die Dächer ihrer Häuser stiegen. "Wir rufen dazu auf, diese Praxis zu übernehmen", sagte er. 

Die Menschenrechtsorganisation B'Tselem hatte am Mittwoch berichtet, mehrere Familienmitglieder und Nachbarn eines Hamas-Mitglieds seien am Vortag vor einem israelischen Angriff auf ihr Hausdach gestiegen. Acht Menschen wurden deshalb durch eine Rakete getötet.

Die israelische Armee verteidigt den Angriff: Sie habe die Bewohner mehrfach gewarnt und abgewartet, bis sie das Haus verlassen hätten. Offenbar seien einige Personen aber unmittelbar vor dem Angriff zurückgekehrt. Zu diesem Zeitpunkt sei der Einschlag der israelischen Rakete nicht mehr zu verhindern gewesen, sagte Armeesprecher Arye Shalicar. Er sagte, dass die israelische Armee alles tue, um den Tod von Zivilisten zu verhindern.

Netanjahu schließt Waffenruhe derzeit aus

Bei den Angriffen der israelischen Armee sind in den vergangenen Tagen 83 Menschen getötet worden, mehr als 500 weitere wurden verletzt. Ziele sind Raketenabschussstellungen, Tunnel und Kommandozentralen der Hamas.

Eine Waffenruhe Israels mit der radikalislamischen Hamas steht nach den Worten von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gegenwärtig nicht zur Debatte. "Ich spreche im Moment mit niemandem über eine Waffenruhe", sagte Netanjahu laut der Zeitung Haaretz vor einem parlamentarischen Ausschuss. "Es steht nicht einmal auf der Tagesordnung." Der Regierungschef sagte, er habe internationalen Rückhalt für sein Vorgehen. Forderungen nach härteren Schritten, wie etwa Strom- und Wasserversorgung des Gazastreifens zu stoppen, lehnte er jedoch ab. "Wir können nicht das tun, was die Russen mit den Tschetschenen gemacht haben", sagte er nach Angaben der Zeitung.