Die Extremistengruppe Islamischer Staat hat laut der irakischen Regierung bereits im Juni eine frühere Chemiewaffenanlage im Nordwesten Bagdads unter ihre Kontrolle gebracht. Dort seien unter anderem 2.500 Raketen gelagert, die mit dem Nervengas Sarin oder deren Reststoffen gefüllt sind, teilte der irakische UN-Botschafter Mohammed Ali Alhakim in einem Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mit. Das Schreiben wurde erst jetzt veröffentlicht.

Darin heißt es weiter, Terroristen seien am 11. Juni in die riesige Muthanna-Anlage eingedrungen. Den Wachleuten hätten die sunnitischen Extremisten dann Waffen und Ausrüstung abgenommen.

Alhakim wies vor allem auf die von den Angreifern eingenommenen Bunker 13 und 41 im Komplex hin, die laut einem UN-Bericht von 2004 auch den Giftstoff Natriumcyanid enthalten, aus dem der Nervenkampfstoff Tabun hergestellt werden kann. Zudem werden dort mit Senfgas bestückte Granaten gelagert.

John Kirby, Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, sagte indessen, die Fabrik sei zurzeit nach amerikanischer Einschätzung kein großes Problem. Die dort gelagerten Materialien seien sehr alt. "Offen gesagt, wenn es stimmt, dass Terroristen sich Zugang zu diesen Stoffen verschafft haben, dann dürfte das für sie selbst eine größere Bedrohung sein als für uns", so Kirby.