Israel hat in der Nacht weitere Luftangriffe auf den Gazastreifen geflogen und die Häuser ranghoher Politiker der Hamas zerstört. Das teilte die israelische Armee mit. Sie warnte zudem, die Menschen im nördlichen und östlichen Gazastreifen sollten ihre Häuser verlassen. Vertreter der Streitkräfte sagten, sie hätten etwa 100.000 Menschen dazu aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Dieser Appell gilt als Vorbote neuer israelischer Angriffe.

Einwohner des Küstengebiets sagten, sie hätten von der Armee entsprechende Anrufe und Kurzmitteilungen erhalten. Zudem wurden Flugblätter über Seitun und anderen Orten abgeworfen, in denen vor "Luftangriffen auf Terrororte" gewarnt wurde, weil von dort Raketen abgefeuert wurden. "Die Evakuierung ist zu Ihrer eigenen Sicherheit", hieß es in den Flugblättern.

Bombardiert wurde in der Nacht unter anderem das Haus des Hamas-Anführers Mahmud al-Sahar im Westen der Stadt Gaza. Zum Zeitpunkt des Angriffs hätten sich in dem Haus keine Menschen aufgehalten, teilten Augenzeugen mit. Zwei Geschosse seien in al-Sahars Haus eingeschlagen. Das vierstöckige Gebäude sei eingestürzt und eine benachbarte Moschee sowie andere Nachbarhäuser beschädigt worden.

In West-Gaza wurde Augenzeugen zufolge das Haus von Bassem Naim angegriffen. In Dschabalija im nördlichen Gazastreifen hätten Kampfflugzeuge das Haus von Ex-Gesundheitsminister Fathi Hammad und das Haus des Abgeordneten Ismail al-Aschkar angegriffen.  

Über 200 Tote im Gazastreifen

Bei weiteren Luftangriffen auf die südlichen Städte Rafah und Chan Junis wurden palästinensischen Angaben zufolge fünf Menschen getötet. Seit Beginn des israelischen Militäreinsatzes ist die Zahl der Toten im Gazastreifen damit auf 203 gestiegen, darunter sind mehr als 30 Kinder.

Auf der Gegenseite feuerten radikale Palästinenser nach israelischen Angaben seit Dienstagvormittag 123 Raketen auf Israel. Erstmals seit Beginn der jüngsten Auseinandersetzungen starb dabei auch ein Israeli. 

Israel will Angriffe ausweiten

Zuvor hatte es kurzzeitig Hoffnung auf eine Feuerpause gegeben: Israel hatte den ägyptischen Vorschlag einer Waffenruhe akzeptiert und stellte die Angriffe am Dienstagmorgen ein. Die Hamas jedoch lehnte den Vorschlag ab. Als es auf israelischer Seite den ersten Toten durch palästinensischen Raketenbeschuss gab, kündigte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu eine Intensivierung der Angriffe im Gazastreifen an

Netanjahu ließ offen, ob israelische Bodentruppen in den Küstenstreifen am Mittelmeer einmarschieren. Dies hatte Außenminister Avigdor Liebermann gefordert. "Wir wollen die Infrastruktur des Terrors zerstören. Daher kann man diese Militäraktion nicht nur aus der Luft betreiben", sagte Liebermann. Israelische Beobachter hielten es aber weiter für möglich, dass beide Seiten doch noch einen Waffenstillstand vereinbaren.  

US-Senat will Israels Raketenabwehr unterstützen

Die diplomatischen Bemühungen um eine Deeskalation gehen indes weiter: Am Mittwoch soll Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas in Kairo mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sissi sprechen. Die beidne Politiker wollen die Chancen des von Ägypten vorgelegten Fahrplans für eine Waffenruhe beraten. Am Dienstag hatte Außenminister Frank-Walter Steinmeier in der Region vergeblich für eine Feuerpause geworben.

Der US-Kongress signalisierte weitere Unterstützung für Israel: Ein Senatsausschuss billigte eine Vorlage, welche die finanzielle Unterstützung der USA für das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome verdoppeln würde. Der Entwurf sieht 351 Millionen Dollar für das System vor, das Kurzstreckenraketen und Mörsergranaten abfängt. Iron Dome half in den vergangenen Tagen dabei, Hunderte Angriffe aus dem Gazastreifen abzuwehren. Insgesamt wollen die Abgeordneten israelische Raketenabwehrsysteme mit rund 550 Millionen US-Dollar unterstützen.