Feuerwehrleute an dem brennenden Kraftwerk im Gazastreifen © Ahmed Zakot/Reuters

Die israelische Armee hat in der Nacht ihre Angriffe auf den Gazastreifen verstärkt. Augenzeugen zufolge feuerte das Militär mit Artillerie und von Kriegsschiffen aus auf das Palästinensergebiet und bombardierte es aus der Luft. Es waren laute Detonationen zu hören, darunter im Regierungskomplex Al Chadra in Gaza-Stadt. An der Grenze zum Gazastreifen schossen Panzer Granaten. Die Attacken legten laut palästinensischer Darstellung das einzige Kraftwerk des Gazastreifens lahm. Der Beschuss beschädigte den Dampfgenerator und entzündete die Treibstofftanks. Die Anlage versorgt etwa ein Drittel der Haushalte im Gazastreifen mit Strom.

Nach palästinensischen Angaben starben durch die Angriffe 23 Menschen, laut Medizinern auch acht Kinder. Auf israelischer Seite starben fünf Soldaten, als Hamas-Kämpfer aus einem Tunnel heraus angriffen.

Die israelische Armee hatte Stunden vorher die Bewohner von Teilen von Gaza-Stadt in Flugblättern aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen.

Bei einer der Attacken auf die Stadt wurde nach Angaben von Angehörigen auch das Haus des Hamas-Anführers Ismail Hanija bombardiert. Es entstand Sachschaden. Weder Hanija noch seine Familie seien zu Hause gewesen, berichtete der Hamas-Fernsehsender Al-Aksa. Auch ein Mediengebäude mit Büros der von der Hamas betriebenen Rundfunkanstalt Al-Aksa im Herzen von Gaza-Stadt erhielt einen Treffer.

Erstmals seit Freitag gab es in Tel Aviv Luftalarm. In der Region seien mehrere Explosionen zu hören gewesen, berichteten israelische Medien. Auch in anderen Orten in Israel heulten die Sirenen.   

Tote auf beiden Seiten

Der israelische Geheimdienstchef hatte angekündigt, die Offensive gegen die Hamas trotz vieler ziviler Todesopfer und dem muslimischen Fest Eid al-Fitr fortzusetzen. "Wir werden in den kommenden Tagen weitermachen, bis wir alle Tunnel zerstört haben", bekräftigte später Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in einer Fernsehansprache. Wichtigstes längerfristiges Ziel sei eine Entmilitarisierung des Küstenstreifens am Mittelmeer. "Die israelischen Bürger können nicht unter der Bedrohung durch Raketen und Tunnel leben – unter Todesdrohung von oben und von unten", fügte er hinzu. Verteidigungsminister Mosche Jaalon sagte, Israel werde nicht zögern, seine Aktionen auszuweiten, um der Hamas noch mehr Schaden zuzufügen.

Schon am Montag hatte es Tote auf beiden Seiten gegeben. Die Hamas waren in ein israelisches Dorf eingedrungen und hatten sich dort ein Feuergefecht mit Soldaten geliefert. Palästinensische Stellen teilten mit, israelische Raketen seien zudem in einem Krankenhaus und in einem Flüchtlingslager eingeschlagen. Dadurch seien auch Kinder gestorben. Israel widersprach, es handele sich um Einschläge fehlgeleiteter Raketen der Hamas.

Seit dem Beginn der Offensive vor drei Wochen zerstörte das Militär nach eigenen Angaben etwa 20 Tunnel. Nach weiteren wird gesucht. Die Zahl der getöteten Palästinenser erhöhte sich in der Nacht auf 1.113. Die Zahl der getöteten israelischen Soldaten stieg auf 53. Zudem wurden drei israelische Zivilisten tödlich verletzt.

Waffenruhe und Verhandlungen

Führende westliche Nationen forderten eine sofortige bedingungslose Waffenruhe. Zugleich äußerten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel, US-Präsident Barack Obama, Frankreichs Staatschef François Hollande, der britische Premier David Cameron und der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi in einer Telefonkonferenz besorgt über das Risiko einer weiteren Eskalation.

Auch die Vereinten Nationen riefen beide Seiten zu einer sofortigen Waffenruhe auf. Letztlich müsse das Ziel eine dauerhafte Feuerpause als Basis für umfassende Verhandlungen sein, sagte Generalsekretär Ban Ki Moon. Er warnte zudem, die in Gaza arbeitenden UN-Organisationen hätten nicht die Ressourcen, einen zusätzlichen riesigen Zustrom verzweifelter Menschen zu bewältigen oder ihnen Hilfe zu gewähren.